IT-Security-Dummheiten sollen meldepflichtig werden?
Mittwoch, 28. November 2012, 19:38 Uhr | Autor: ich
“EU plant Meldepflicht für Cyber-Attacken” (heise.de)
Zum besseren Schutz vor Cyber-Attacken denkt die EU auch über eine Meldepflicht von Cyberattacken für Unternehmen nach.
“Bundesinnenminister erwägt Meldepflicht für IT-Angriffe” (heise.de)
Aufgrund der steigenden Zahl von Internet-Attacken auf die IT-Infrastruktur von Behörden oder wichtigen Unternehmen erwägt Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ein neues Gesetz. Den Behörden müssten “schwere Cyber-Angriffe und weitreichende IT-Sicherheitsvorfälle gemeldet werden”
Das Menschen ungern Fehler zugeben ist nicht ungewöhnlich, warum sollte dies bei Firmen anders sein? Nur wenn es gar nicht mehr zu leugnen ist, weil z.B. ein Datenbank-Dump öffentlich wurde, gibt eine Firma zu, ein Problem zu haben. Wobei die Firma das eigentliche Problem eher beim Finder und der Veröffentlichung der Daten sieht und nicht darin, dass es die Lücke gibt. Nur weil es ein Meldegesetz gibt, werden sich die Firmen nicht ohne Not outen — genauso wenig wie Gesetze den Steuerhinterzieher davon abhalten, sein Geld in die Schweiz zu bringen.
Ich halte solch ein Meldegesetz für untauglich. Einen höheren Sicherheitsstandard in der IT wird man nur mit höheren Standards erreichen können — die verbindlich sind. Einen Standard, der es unmöglich macht z.B. Passworte im Klartext in einer Datenbank zu speichern oder der eine unverschlüsselte Übertragung von Login- oder Kundendaten verbietet. Hierzu braucht es ein umfassendes Regelwerk woran sich alle Dienstleister halten müssen, die ein Zertifikat erwerben wollen. Und nur wer zertifiziert ist kann an Ausschreibungen für IT-Projekte von Bund und Ländern teilnehmen.
Für die Schaffung des Regelwerks für einen hohen Sicherheitsstandard kann der Bund die Kompetenz des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik nutzen. Das BSI hat seit geraumer Zeit IT-Grundschutz-Kataloge erstellt, die durchaus als eine gute Ausgangsposition betrachtet werden können.
Anstatt ein Meldegesetz zu beschließen, sollte der Bund, und möglichst auch die Länder, damit beginnen die bestehende Infrastruktur einer Revision zu unterziehen und dafür zu sorgen, dass nur noch zertifizierte Dienstleister beauftragt werden. Wenn Bund und Länder mit gutem Beispiel voran gehen, dann kann an Verpflichtungen gearbeitet werden, die auch die Wirtschaft zu hohen IT-Security-Standards zwingt.
Hier noch zwei Beispiele, bei denen man nicht in der Lage oder willens war, das Problem zu lösen:
- Im Dezember 2008 gab ich dem Datenschutzbeauftragten des Landes Hessen den Hinweis zu der Anfälligkeit auf Cross-Site Scripting. Man bedankte sich für den Hinweis und bat um weitere Informationen zu der Lücke, welche ich bereitwillig weitergab. Der Versuch die Lücke zu schließen war erfolglos, was ich natürlich sofort bemerkte und ebenfalls weitergab.
Dies kann auch als Beispiel dafür angesehen werden, dass XSS gar nicht so gefährlich sein kann, denn die Lücke besteht ja seit mindestens 4 vollen Jahren ohne das es Geschädigte gibt. ;O) - Im September diesen Jahres gab ich an “Gründerwoche” Hinweise zu XSS und SQL-Injection weiter, auch hier war es nicht möglich das XSS-Problem zu beheben.
Diese Liste könnte ich noch mit vielen weiteren Beispielen für Websites von Bund und Ländern fortführen, was aber uninteressant wird, da ich eh keine kritischen Lücken veröffentliche, wie z.B. SQL-Injection, Cross-Site Request Forgery, Remote File Inclusion oder Directory Traversal, die man relativ schnell, in den unzähligen Websites, finden kann.
Wie will der Bund mehr IT-Sicherheit von der Wirtschaft fordern, wenn es ihm gleichzeitig unmöglich ist, seine Infrastruktur auf einen IT-Security-Standard zu heben, der Mindestanforderungen standhält?
Thema: Politik, Sicherheit, Wirtschaft | Kommentare geschlossen



