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DIE ZEIT: Print vs. Web – Zensursula

Freitag, 26. Juni 2009, 10:52 Uhr | Autor:

DIE ZEIT hat in der gestrigen Print- und Onlineausgabe ein… Interview… Streitgespräch… zwischen Franziska Heine und der leyenhaften Frau veröffentlicht. “Ihnen ist egal, was wir denken” (zeit.de) Am Ende der Onlineausgabe steht

Eine gekürzte Version erschien in der ZEIT.

Die Printversion ist um ca. 50% kürzer als die Webversion, leider wird in der gedruckten Ausgabe nicht erwähnt das man online mehr Informationen erhält.

Diese Kürzung in der Printausgabe ist schon etwas ungewöhnlich. Bisher sind mir Kürzungen immer nur im Netz begegnet, wo die Zeitung oder Zeitschrift darauf hinweist, dass es die ungekürzte Fassung in der gedruckten Ausgabe gibt – in der Hoffnung noch ein paar Exemplare zu verkaufen. Andererseits ist man in der Textlänge im Netz unbegrenzt und mehr Text verursacht keine Mehrkosten, wie in einer gedruckten Zeitung.

Ich werde hier nicht alles zitieren, sondern nur das was unterschiedlich ist, vor allem inhaltlich so unterschiedlich, dass bei Print- und Onlineleser verschiedene Eindrücke entstehen.


Print
Die Internetaktivistin Franziska Heine und Familienministerin Ursula von der Leyen streiten über das Verbot von Kinderpornografie
Web
Internetaktivistin Franziska Heine und Familienministerin Ursula von der Leyen streiten über die Stoppschilder vor Kinderpornoseiten



Es ist ein elementarer Unterschied ob man über

  • “das Verbot von Kinderpornografie” oder über
  • “die Stoppschilder vor Kinderpornoseiten”

streitet. Über ein Verbot von KiPo wird natürlich nicht gestritten. Der Printleser könnte auf die Idee kommen, dass diese “verrückten Internet-Menschen” den Missbrauch an Kindern legalisieren lassen wollen.

Ich gehe mal davon aus, dass den ZEIT-Menschen einfach ein Schreibfehler unterlaufen ist. Deswegen Druckmaschinen anhalten oder gar mehr als 600.000 Exemplare zurückrufen und einstampfen… Auch hier ist ZEIT-ONLINE im Vorteil – einfach die fehlerhafte Zeile editieren und fertig.


Print
Ursula von der Leyen:
(…)
Auch andere europäische Länder haben uns gefragt, warum dieses Instrument nicht auch in Deutschland genutzt wird. jetzt haben wir ein Gesetz verabschiedet, das ziemlich gut ist, wie ich finde.
Web
Ursula von der Leyen:
(…)
Da habe ich mich gefragt, warum wird dieses Instrument nicht auch in Deutschland genutzt?
(…)



Hier könnte der Printleser den Eindruck gewinnen, dass die Bundesregierung von anderen Staaten aufgefordert wurde, ebenfalls Netzsperren einzuführen.


Die, wie ich finde, gravierendsten Unterschiede bestehen aber in den Informationen die dem Printleser vorenthalten werden.


Print
Web
von der Leyen:
(…)
Die Technik der Zugangssperren führt dazu, dass wir jetzt erstmals systematisch kinderpornografische Websites identifizieren.



Hiermit tut die leyenhafte Frau den vielen Kriminalbeamten unrecht, die täglich durch das Internet streifen und sich täglich mit dem “Material” auseinander setzen müssen. Sie tut fast so, als ob bisher nichts gegen KiPo im Internet unternommen wurde. Sie ist die erste die KiPo entdeckt hat, sofort aktiv wird und eine gesetzliche Regelung schafft?! Wohl kaum, die Frau war zum Thema KiPo, in den vorhergehenden drei Jahren vollkommen untätig – es ist nun ja bald Wahl, da wacht auch sie endlich auf.


Print
Web
Heine:
(…)
Wir haben in den letzten Wochen durch einige Aktionen bewiesen, dass es effizientere Wege der Bekämpfung gibt. Es gibt in Deutschland eine Menge Server mit kinderpornografischem Material, die den Behörden auch schon mehrfach gemeldet wurden, und trotzdem ist lange nichts passiert. Wir haben die Anbieter dieser Seiten kontaktiert, und innerhalb von zwölf Stunden sind 60 Seiten entfernt worden.



Aha!, es gibt also auch andere Wege gegen KiPo im Internet vorzugehen und die “verrückten Internet-Menschen” haben das auch schon demonstriert, ohne Behörden, ohne Dienstweg, ohne lange Wartezeiten.


Print
Web
Heine:
Der sich dagegen ausgesprochen hat, weil er diese Verantwortung nicht übernehmen möchte. Der Bundesdatenschutzbeauftragte, Herr Schaar, sagt ganz klar, er wolle sich nicht in eine solche Struktur einbinden lassen, um das Ganze im Nachhinein zu rechtfertigen.



Also ist der Bundesdatenschutzbeauftragte, Herr Schaar, wohl auch gegen die Sperren im Internet!?


Print
Web
Heine:
(…) Wenn die Kinderpornoseite, die ich unterhalte, ein Stoppschild bekommt, weiß ich, dass man mir auf den Fersen ist. Mit dem Stoppschild warnen Sie die Betreiber der Seiten. Das ist Täterschutz!



Logisch! Wenn ich irgendwo einbrechen will und die Alarmanlage geht los, dann werde ich kaum seelenruhig weiter werkeln, sondern das Weite suchen. Und die leyenhafte Frau will die Täter warnen und glaubt die werden ungestört weitermachen? Unglaublich!


Print
Wer die Stoppseite zu umgehen versucht, macht sich strafbar, weil er dann aktiv nach Kinderpornografie sucht.
Web
Wer die Stoppseite zu umgehen versucht, macht sich bewusst strafbar, weil er dann aktiv nach Kinderpornografie sucht.



Was will die leyenhafte Frau mit dieser Drohung erreichen? Da sie die Menschen die die Sperren umgehen können eh für “schwer Pädokriminelle” hält und der Rest der Bevölkerung, nach ihrer Meinung, eh keine Ahnung von Technik hat und auch Google nicht kennen (Ergebnisse 1 – 100 von ungefähr 13.700 für dns sperre umgehen) – wen will sie damit ängstigen?

<einschub>
Spätestens wenn Wikileaks auf der geheimen BKA-Sperrliste angekommen ist, werden sehr viele User alternative DNS einstellen, um z.B. an den Entwurf Regierungsprogramm 2009 – 2013 von CDU und CSU (wikileaks.org) zu gelangen.

Offiziell gibt es das Unwählprogamm am Sonntag:
CDU/CSU TV-Hinweis Phoenix

Mal schauen was der CDU/CSU-Zensor bis dahin alles gestrichen hat. :O)
</einschub>

Dieser Satz der leyenhaften Frau zeigt das Herr Tauss mit seiner Aussage auf abgeordnetenwatch.de

Ein grosser Teil der Parlamentarier ist mit dem Internet nicht aufgewachsen. Sie empfinden es daher moeglicherweise sogar als Bedrohung. Sie nehmen es nicht als technisches Netz oder als Kommunikationsinfrastruktur wahr, verstehen nichts von Netzneutralitaet, sondern als etwas, wo man eben Boeses bekommen kann und wo vermeintlich das Boese auch herkommt und die Gesellschaft durchdringt.

ganz gut beschreibt, wie Politiker ticken.

<in-politiker-hirnwindungen>
Internet == BÖSE und
if ( User != DAU ) { User == BÖSE3 }
</in-politiker-hirnwindungen>



Die leyenhafte Frau verbreitet auch noch die eine oder andere Lüge in dem Interview, wofür DIE ZEIT aber nichts kann:

von der Leyen:
(…) Diese Daten werden jetzt sofort gelöscht. So steht es im Gesetz.

Im Gesetz steht:

§5
Verkehrs- und Nutzungsdaten

Verkehrs- und Nutzungsdaten, die auf Grund der Zugangserschwerung bei der Umleitung auf die Stopp-Meldung anfallen, dürfen nicht für Zwecke der Strafverfolgung verwendet werden.

Da steht nichts von einer Löschung. Die Verkehrs- und Nutzungsdaten werden natürlich gespeichert, das läuft automatisch, diese müssen dann anonymisiert dem BKA übergeben werden. Und was passiert mit den Rohdaten, in denen die IP-Adressen, etc. gespeichert wurden?

Aber nun gut, woher soll die leyenhafte Frau solche Details kennen, sie ist ja nie anwesend, wenn es um ihr Baby geht. Weder während der Plenarsitzungen im Bundestag, noch während der öffentlichen Anhörung im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie war sie zugegen. Wahrscheinlich hat sie Angst vor kritischen Fragen ihrer Kollegen, denen sie dann nicht so einfach ausweichen kann.


Update:
Noch zwei Links zu dem ZEIT-Artikel nachreich:

  • Sorry für die falsche Unterzeile. Im Blatt war es zu spät, Online konnten wir sie korrigieren, daher gibt es nun zwei Versionen #Netzsperren

    Quelle: Twitter

  • Fefe zu den leyenhaften Lügen: http://blog.fefe.de/?ts=b4bd7c35

Thema: DIE ZEIT, Korinthenkacker, Medien, Politik | 3 Kommentare

DIE ZEIT vs. YouTube

Freitag, 11. Juli 2008, 23:09 Uhr | Autor:

Haltet den Dieb!” (zeit.de)

Da schreibt ein Print-Mensch über die Onlinewelt und liegt voll daneben.

YouTube ist eine digitale Halde für Videoschrott.
(…)
Viele Beiträge wurden von kreativen Köpfen konzipiert und virtuos umgesetzt. Hochgeladen wurden sie indes von Mitgliedern der YouTube-Gemeinschaft.

Na was denn nun? Videoschrott oder Kunst? Wird aus Kunst alleine deswegen Schrott weil es von einem Dieb hochgeladen wird?

Damit sind sie zugänglich für jedermann, jederzeit, kostenlos. Ein Horror für professionelle Künstler.

Der Print-Mensch verkennt dabei, das viele der kreativen Köpfe, ob nun professionell oder nicht, ihr Material selber hochladen. Die Künstler nutzen diese Plattform für sich – sie vermarkten sich selber.

Viele YouTubeler haben sich einen Dreck um Urheberrechte geschert. Nun aber pochen sie ihrerseits auf den Datenschutz und machen große Augen, weil sich jemand wehrt.

Unsinn! Die meisten “YouTubeler” sind nur Konsumenten und haben nichts mit Urheberrechtsverletzungen zutun. Alleine das Anschauen eines Videos, bei dem der Konsument nicht weiß wer es hochgeladen hat, zeugt nicht davon das ihm das Urheberrecht egal ist.

Schon die Reaktion der YouTubeler zeigt, dass die alte Welt im Recht ist.

Wieder Unsinn! Nur weil sich jemand zu Unrecht angeklagt fühlt und in diesem Fall auch bereits verurteilt wurde, ist der Kläger noch lange nicht im Recht.


Wer schreibt denn in so wenig Text so viel Unsinn?

Der Herr Rohwetter hat 2005 den Otto-Brenner-Preis erhalten und zwar für den Artikel “Ihr Wort wird Gesetz” (Beitrag aus »Die Zeit« vom 6. Oktober 2005)

Für das, wofür Herr Rohwetter den Preis erhielt, kann man ihm nur gratulieren, ein gutes Stück journalistische Arbeit. Aber für das was er gestern in der ZEIT verzapft hat, gebührt ihm ein Negativpreis, für schlechten bzw. vollkommen fehlenden Journalismus.

Ich habe den Eindruck, das die Wurzeln für diesen Unsinn in dem Frust über die Onlinewelt und der “alles kostenlos”-Mentalität vieler Internetnutzer zu suchen ist. Die Werbeumsätze der traditionellen Zeitungen gehen zurück, die Budgets werden zusammengestrichen, immer die Angst von einem Tag auf den anderen wegrationalisiert zu werden, der Online-Kollege übernimmt den Job mit und alles nur wegen des bösen Internets.


Es ist an der Zeit das sich auch die Journalisten, die sich noch nicht in der Onlinewelt wohl fühlen, zumindest versuchen zu informieren und versuchen zu verstehen was das Internet ausmacht, welche Bedeutung es für den Leser hat – denn auf den kommt es letztendlich an. Das Internet ist aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Die Zeitungsverlage haben doch auch den Einzug des Radios und des Fernsehens gut überstanden, sie werden auch mit dem Internet sehr gut leben können – sofern sie es verstehen dieses Medium richtig für sich zu nutzen.

Ich glaube nicht das es für einen Printverlag ausreicht einfach nur das gedruckte Wort online zu publizieren. Die Zeitungs- und auch Zeitschriftenverlage müssen ihr Medium an das Internet anpassen. Sie müssen lernen das der Leser nun nicht mehr nur ein stiller, zahlender Konsument ist. Der Onlineleser will teilhaben, er will mitreden, er will aktiv an der Kommunikation teilnehmen und er will ernst genommen werden. Früher gab es nur den Rückkanal des Leserbriefs, den man an die Redaktion senden konnte, bei dem man nicht wußte ob er überhaupt gelesen wird. Die heutigen Journalisten sollten sich an den Gedanken gewöhnen das der Onliner schnell reagiert und auch eine entsprechende Resonanz fordert. Es reicht nicht aus nur eine Kommentarfunktion einzurichten, über die sich die Leser untereinander, über einen Artikel, austauschen können. Der Journalist muß sich die Zeit nehmen, bzw. sie muß ihm vom Verlag gegeben werden, um mit dem Leser seiner Artikel zu kommunizieren. Das Internet bietet die, meiner Meinung nach von vielen Printverlagen noch vollkommen unterschätzte, Möglichkeit am Puls des Lesers zu fühlen.

Aktuell gibt es 18 Kommentare auf zeit.de zum Rohwetter-Artikel, aber leider bisher keine Reaktion vom Autor – sehr schade.

Thema: DIE ZEIT, Internet, so Leute | 3 Kommentare