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Zeit für DIE ZEIT: Der Bahn-Notebook-Kampf

Bei einer Bahnfahrt von mehreren Stunden (pro Hin- und Rückweg) hatte ich mal wieder Zeit für DIE ZEIT und für das Beobachten von Menschen.


Auf dem Hinweg habe ich niemanden im Zug mit technischem Spielzeug (ausser Schlafbeschallung in den Ohren) gesehen, ab halb sechs in der Früh ist es wohl auch noch etwas unpassend für die meisten Reisenden. Aber einige sind filmreif eingenickt, inkl. sich an den Sitznachbarn anlehnen, Zeuch im Schlaf fallen lassen und erschreckt aufwachen.

Während der Rückreise sah das Umfeld schon eher nach dem 21. Jahrhundert aus. Handys, plärrende Ohrstöpsel mit Kabeln die zu Taschen (oder waren es Körperöffnungen?) an ungeahnten Stellen führten und natürlich auch Schlepptops.

Ich suchte mir wieder einen 4er-Sitzplatz mit Tisch. Die Plätze mit Tisch sind einfach bequemer, wenn ich etwas Totholz wie DIE ZEIT dabei habe und darin auch lesen möchte. Erst saß ich noch alleine in dem Bereich, da es bis zur Abfahrt noch ca. 10 Minuten dauerte. Der erste der sich am 4er nebenan setzte packte sofort sein Notebook demonstrativ auf den Tisch und schaute sich vorsichtig um, so nach dem Motto “Schaut, habt ihrs alle gesehen? Ein neues super cooooles Notebook! Und das ist MEINS!” Ein paar Minuten später kam eine Frau herein und setzte sich zu dem Herrn mit dem Notebook, auch sie legte ihres auf den Tisch. Beide taxierten den Wert des Fremdgerätes — was, laut dem Mienenspiel der beiden, wohl unentschieden ausging. Zu guter Letzt kam noch jemand mit E-Spielzeug, der sich an meinen Tisch setzte. Die Gegner von der anderen Seite sahen nur kurz herüber und sahen schon auf den ersten Blick: “Das ist keine Konkurrenz für uns!” Denn sie kramte weiter in ihrer Tasche und er versuchte angestrengt zu ergründen wie dieser Fahrplan der Bahn wieder ordnungsgemäß zusammenzufalten ist, den er so gedankenlos in die Hände genommen hatte, was er wohl mittlerweile bereute. Nach getaner Arbeit, legte er den Plan wieder an seinen angestammten Platz, wobei ein Mr.Beansches Lächeln über sein Gesicht huschte.

Let’s Fight

Der Herr am Neben4er öffnete als erster sein Notebook und drückte eine Taste. Nach nur wenigen Sekunden ertönte der typische Startklang von Windows (Meine erste Amtshandlung nach einer Neuinstallation war, ist und wird immer sein: DIESEN Sound abtöten!) Mein Gegenüber verzog keine Miene, obwohl er ganz bestimmt jede Millisekunde mitgestoppt hatte. Er wartete noch ab, denn nun war erst die Frau an der Reihe. Sie öffnete ihr Notebook, kramte dabei noch etwas in ihrer Tasche und drückte nebenbei ein Knöpfchen ihres Lieblings. Auch hier kam nach wenigen Sekunden der Windows-Startklang, ähnlich schnell, ähnlich kraftvoll wie bei ihrem Gegenüber — der erwartete Gleichstand.

Nun war mein Tischgegenüber an der Reihe. Nach dem Aufklappen drückte er sofort eine Taste an seinem ThinkPad von Lenovo. Ich hörte die Festplatte rattern, aber keinen Startklang?! Wow! Ein User von der Sorte die auch den Startklang von Windows hassen. Gut! Ich las weiter mein Totholz.

Einige Minuten (!) später… Der Windows-Startklang! Ich zog DIE ZEIT etwas höher, damit der Post-IBM-Notbuch-Mann mein Grinsen nicht sehen konnte. Sorry dafür, aber manchmal kann auch ich mir Gefühlsäußerungen nicht verkneifen. Die folgenden zwei Stunden hörte ich an seiner gepressten Atmung förmlich die innerlichen Flüche, ob diesem Stück Technik. Ich wollte ihm schon empfehlen es einmal mit einer schlanken Linux-Distribution zu versuchen, denn diese können u.U. auch alte Hardware noch tauglich für das 21. Jahrhundert machen. Ich entschied mich gegen diesen Gedanken, da ich nicht verantworten kann, dass da jemand sein (gehasstes) System hinrichtet, was zumindest irgendwie funktioniert.

Vielleicht ist die sehr lange Startphase des ThinkPads auch durch ein verwurmtes, trojanisiertes, virenverseuchtes Windows bedingt. Vor Jahren hatte ich ein Notebook geschenkt bekommen. Windows 98 an Bord (aber kein Virenscanner) und mit einer Startzeit von geschlagenen 10 Minuten. Der Besitzer kaufte sich ein neues Arbeitsgerät. Nachdem die Platte geputzt war und XP lief, startete das alte Notebook ganz normal in weniger als dreißig Sekunden.

Die Frau am Neben4er bekam nach einiger Zeit einen Zuschauer, geschätzte sieben oder acht Jahre alt. Irgendwann fragte er: “Was muss man da machen?” Aus ihrer Erklärung schloss ich, sie vertrieb sich die lange Fahrzeit mit dem Spielen von Mahjong. Schräg hinter mir spielte auch jemand mit Technikkrams, mit Klängen die lauter und kraftvoller als die der Notebooks waren — ein Smartphone. Als Spielzeug in der Bahn muss es also kein Notebook sein. ;O)

Der OberNerd in diesem Quartett, der vermutlich mehr Stunden pro Woche am Computer verbringt als die anderen drei zusammen, liest eine Zeitung. Für die die mich kennen, vielleicht etwas bizarr, aber wer so viele Stunden an der Kiste verbringt wie ich, ist auch mal froh seine Ruhe vor dem “Computerzeugs” (™ by W.S.) zu haben.


Wer sich einmal die Zeit nimmt und Menschen mit technischem Spielzeug beobachtet, der wird ganz ähnliches wie ich beobachten können. Wer ganz selbstverständlich mit Handy, Notebook & Co. umgeht und für wen dies irgendwie noch Neuland ist. Die Notebook-Drillinge waren jenseits der 40, zwar noch nicht alle Silversurfer (die Gruppe 50+) aber eher nicht mit Computern aufgewachsen. Mein Gegenüber könnte auch schon 50+ sein, was man heute gar nicht mehr so leicht einschätzen kann. In meiner Kindheit hatten 50jährige schon tiefe Furchen schwerer Arbeit im Gesicht — heute arbeiten viele Berufstätige körperlich nicht mehr so schwer wie damals.

Appetizer aus DIE ZEIT – Ausgabe 26

Etwas für Verschwörungstheoretiker?

  • Habt weniger Angst
    Er sei links, liberal und konservativ, sagt Joachim Gauck von sich. Wofür steht der Präsidentschaftskandidat?
    Ein Gespräch
  • Kalter Krieg
    In der vornehmen Atlantik-Brücke streiten Friedrich Merz und Walter Leisler Kiep wie die Kesselflicker
  • Der Sog des Ostens
    Die Türkei kehrt sich von ihren alten Verbündeten in Amerika und Europa ab
    von Josef Joffe
  • Insel der Eintracht
    Josef Joffe: Warum die Europäer plötzlich wieder Amerika lieben

Und was verbindet diese vier Artikel? Der Verein Atlantik-Brücke.
Mitglieder darin sind u.a.: Joachim Gauck, Friedrich Merz, Walter Leisler Kiep und Josef Joffe. (Alle Links führen zu de.wikipedia.org)

Weiß man von Josef Joffes Mitgliedschaft im obigen Verein, ist seine Kritik an der Politik der Türkei einfacher einzuordnen.

Überparteilichkeit, Unabhängigkeit und/oder Objektivität ist eine Mär — auch und vor allem im Journalismus. Daher ist es wichtig zu wissen wer etwas geschrieben hat und nicht nur was geschrieben wurde. Ich lese gerne etwas vom Herausgeber der ZEIT. Da ich meine zu wissen was er seinen Lesern mit auf den Weg geben möchte, in welche Richtung er sie schubsen möchte, kann ich auch gut mit dem leben was ich an Ansichten und Meinungen nicht teile.

Kommt der Input immer nur von Gleichgesinnten kann der Geist nicht wachsen.

Etwas für Wirtschafts- und Entwicklungshilferealisten?

Die Freiheit wird 50

Afrika feiert — nein, nicht nur die Fußball-WM, sondern auch ein halbes Jahrhundert Ende der Kolonialzeit.
(…)
Der Kongo ist der größte und fragilste Jubilar. 64 Millionen Einwohner mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von jährlich 290 Dollar und Bodenschätzen im Wert von Milliarden unter den Füßen. Wichtigste Exportgüter: Diamanten, Kupfer, Kobalt und Schlagzeilen über Rebellen und Massengräber.


Etwas Humor!

60 SEKUNDEN FÜR – Umfragen

Die Erde dreht sich um die Sonne. Äpfel fallen auf den Boden.
(…)
Der Hightech-Branchenverband Bitkom hat dazu Entscheidendes beizutragen.
… Menschen ab 14 Jahren: Das Internet bedeutet ihnen mehr als Waschmaschinen oder Schwiegermütter. Wer hätte das gedacht?

Schwiegermutter, Waschmaschine, Internet” (pressebox.de)

In der Mitte des ZEIT MAGAZINs findet man eine
RÜCKTRITTSERKLÄRUNG
SCHLUSS MIT DIESEM GEMURKSE, ZURÜCKTRETEN MUSS EINFACHER WERDEN — MIT DIESEM FORMULAR

5. Hiermit trete ich zum ____.____.20____ von meinem o.g. Amt zurück, weil
(…)
[ ] ich glaube, dass mich ________________ (Namen einfügen) nicht mehr lieb hat
[ ] mich alle mal können; insbesondere die/ der
________________ (Namen einfügen)
die/ der ist wirklich viel fieser, als man das im Fernsehen so denkt
(hab ich erst auch nicht geglaubt, ist aber so)
(…)
[ ] ich ganz großen Scheiß gebaut hab, weiß ich selber.
Sorry, sorry, sorry!
[ ] ich’s jetzt einfach machen muss (war natürlich nur ‘ne taktische Drohung, jetzt komm ich da nicht mehr raus)
[ ] es irgendwie alle fordern, sogar meine Berater
— ich weiß auch nicht, warum

(…)

9. An dieser Rücktrittserklärung haben mitgewirkt:
[ ] meine Frau
[ ] meine Kanzlerin
[ ] Wieso »meine Kanzlerin«? Ich bin doch die Kanzlerin!

Auch aus dem ZEIT MAGAZIN:

Mit dieser KINDERTÜR können sich kleine Leute ganz groß fühlen. Ideal für den Pariser Präsidentenpalast. www.minjjoo.com



Und wo sind die Links zu den Artikeln? Hier geht es zum Print-Archiv der Ausgabe 26/2010 (zeit.de). Aber (was für ein Zufall <g>) keiner der von mir erwähnten Artikel ist online verfügbar — denn, DAS ist Premium-Content und den gibt es nur auf Totholz. :O)


nein! ich bin kein offizieller oder inoffizieller mitarbeiter der ZEIT — ich lese sie einfach nur gerne.

Ich nehme mir die Zeit für DIE ZEIT (Nr. 30)

Donnerstags nehme ich mir die Zeit für DIE ZEIT (Print) und finde darin immer etwas, worüber ich in der Online-Ausgabe, sehr wahrscheinlich, nicht gestolpert wäre oder etwas, was online nicht zu finden ist.


DIE ZEIT / Nr. 30 / S. 3
MORD IN DRESDEN – Unsere Angst” (zeit.de)

Der Mord an der Ägypterin Marwa al-Scherbiny hat Deutschland an den Rand eines Kulturkampfes gebracht. Politik und Medien sind dafür mitverantwortlich
(…)
Wenn man einmal Mutmaßungen über das (west-)deutsche Mehrheitsbewusstsein anstellen darf, dann spielten sich dort nach dieser Tat folgende Gedankengänge ab: 1. Wie furchtbar, die arme Frau, was für ein Unglück. 2. Die Tat geschah nicht wirklich in Deutschland, sondern im Osten. 3. Der Täter ist ein Russlanddeutscher, bekanntermaßen die problematischste Minderheit, die in diesem Land lebt, also keiner von uns. 4. Ein Einzelfall also: Übergang zur Tagesordnung.

DIE ZEIT / Nr. 30 / S. 19
“60 Sekunden für – Glühlampen” (Noch (?) nicht online)

Ich gestehe hiermit, dass ich bunkere. Bei jedem Besuch eines Baumarktes…
(…)
Ich weiß natürlich, dass Glühlampen nur 5 Prozent der Energie in Licht umsetzen und 95 Prozent in Wärme. Es ist nur so, dass ich mir angewöhnt habe, mit Leselampen zu heizen. Ich nutze deren Wärme zu 100 Prozent.     RÜDIGER JUNGBLUTH

DIE ZEIT / Nr. 30 / S. 27
GESCHÄFTSMODELLE – Wie ein 15-Jähriger die Medienmärkte sieht” (zeit.de)

…»Der Bericht, der die Kapitalmärkte bewegte«. Fondsmanager und Medienunternehmen rissen sich förmlich um die Schüleranalyse.
(…)
Am Ende beschreibt Robson eine einfache Wahrheit: Wer etwas verkaufen will, braucht ein unverwechselbares Produkt und muss es schützen.

DIE ZEIT / Nr. 30 / S. 37 (Noch (?) nicht online)
KinderZEIT-Fragebogen

Was ist typisch für Erwachsene?
sie finden im positiven immer etwas negatives

DIE ZEIT / Nr. 30 / S. 41
RHETORIK – Ich, der Tausendfüßler” (zeit.de)

…dass der Bäckermeister bisher die Hälfte, die Deutsche Bank aber voll bezahlen musste, während nach der Reform die Deutsche Bank gar nichts, dafür der Bäckermeister das Doppelte bezahlen muss. Und das Ganze soll sozialdemokratisch und ökologisch sein. Übrigens war das eine schöne Stunde im Bundestag, denn nachdem ich mein Beispiel gebracht hatte, verstanden nicht wenige der SPD-Abgeordneten, was sie in einer halben Stunde beschließen sollten. Die rannten nach vorne, damals war auch schon Struck Fraktionsvorsitzender, und sagten: »Hat der Gysi recht?« Das ging ihnen zu weit. Das war eine spannende Situation, beschlossen haben sie es trotzdem. Aber immerhin.


Diese Aufzählung ist natürlich nicht vollständig, da noch einige bedruckte Seiten auf mich warten. Das Schöne an einer Wochenzeitung ist, dass ich bis zur nächsten DIE ZEIT noch etwas Zeit habe, um in den folgenden 6 Tagen, immer und immer wieder, etwas neues finde. :O)