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Streusand-Effekt

Samstag, 21. August 2010, 13:32 Uhr | Autor: ich

Beim täglichen Surfen durchs Netz schliddert man auch schnell mal an Infos vorbei, die eigentlich zum Verweilen und zum Nachdenken einladen. Zum Glück gibt es aber den Streusand-Effekt.

In früheren Zeiten wurde den Leuten Sand in die Augen gestreut, wobei nur geringe Mengen nötig waren, um die Sicht zu verhindern. Heutzutage wird mit der gleichen Methode versucht unerwünschte Informationen im Netz zu bedecken. Nur ist die Datenautobahn so breit und so lang, dass gar nicht so viel Sand heran gekarrt werden kann, um den gewünschten Effekt zu erzielen, wodurch aus dem verdeckenden Sand der bremsende Sand wird — der Streusand.

Den Streusand-Effekt kann man auch sehr effektiv einsetzen um Informationen in die breite Öffentlichkeit zu tragen, wenn man ein offizielles Mitglied der Geheimniskrämer ist. Die etwas einfältigen Mitglieder der Geheimniskrämer sehen nur das Verbot eine Information zu verteilen, und — Verbot == GUT!

Wenn Geheimniskrämer den Streusand-Effekt nutzen, dann weiß ich immer nicht ob sie

  1. einfach nur dumm wie 100 Meter Feldweg sind,
  2. einmalig eine andere Meinung vertreten oder
  3. Spione sind und die Gruppe der echten Geheimniskrämer infiltriert haben.



Ein aktuelles Beispiel für den Streusand-Effekt ist der angebliche Urheberrechtsverstoß eines Blogs, der zur Veröffentlichung von noch mehr Dokumenten zur Loveparde in Duisburg führte.
Loveparade: Stadt Duisburg untersagt Blog Veröffentlichung von Dokumenten” (netzpolitik.org)
Loveparade 2010 Duisburg planning documents, 2007-2010” (wikileaks.org)


Ein, ohne Kristallkugel, vorhersehbarer Streusand-Effekt zeichnet sich bei Googles Street View ab. Wer in Zukunft virtuell durch eine der 20 Städte schlendert, der wird ganz sicher stehenbleiben, wenn er ein Haus sieht welches bis zur Unkenntlichkeit verpixelt wurde.

  • Was mag es dort geben, was niemand sehen soll?
  • Dort muss es sich lohnen einzubrechen, ansonsten würde man es ja nicht verbergen wollen!?
  • Wo gibt es unverpixelte Bilder dazu?

Von mir nur die “virtuelle Streifenfahrt” zu dem Thema, über die Udo Vetter kürzlich schrieb: “Verbrecherjagd mit Street View” (lawblog.de)
Ich kann nur hoffen, dass der Herr Polizist nicht mehr im aktiven Dienst tätig ist und nur in der Gewerkschaft ein paar Akten hin und her tragen darf.


Auch bei meinen Penntests (die Suche nach Stellen wo jemand gepennt hat) stoße ich auf den Streusand-Effekt.

Wenn ich nach einer Injektion korrupter Daten (dies sind Daten die man bestechen kann, unerwünschte Dinge zu tun) auf die Startseite weitergeleitet werde, dann geht meine Motivationskurve fast senkrecht nach unten, an dieser Stelle weiter nach Schwachstellen zu suchen. Bekomme ich hingegen eine schöne Fehlermeldung zurück,

XSS per GET-Request ergibt 999-Fehlermeldung…

<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN"
"http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd">
<html>
<head>
<title>999 Possible Attack Detected!</title>
</head>
<body>
</body>
</html>

aber per POST-Request erfolgreich korrumpiert. Und nein!, POST-Request ist kein Sicherheitsfeature — immer noch nicht, auch wenn ein “Fachinformatiker” von “Sicherheitsgründen” schreibt, weshalb er POST benutzt hat. Bei solchen “Fach” (Welches bloß?) “Informatikern” werde ich nie arbeitslos. <g>

dann bin ich motiviert weitere Injektionen auszuprobieren, um den Filter auf Herz und Nieren zu prüfen.

Auch Fehlermeldungen die Auskunft über die verwendete Scriptsprache, Datenbank und/oder absolute Serverpfade ausspucken, werden von mir immer wieder gerne entgegengenommen. Während der Entwicklungs- und Testphase sind Fehlermeldungen sehr hilfreich und absolut notwendig, aber in produktiven Systemen sollten diese abgeschaltet werden. Fast jede Fehlermeldung birgt die Gefahr eines Streusand-Effektes, denn ein Angreifer bekommt Informationen, die ihn gerade erst richtig anstacheln weiter zu bohren.


Ein (angeblicher) Streusand-Effekt kann aber auch nur eine geschickte Methode von viralem Marketing sein, um ein stinklangweiliges Produkt interessant erscheinen zu lassen. Von der Unattraktivität des Produktes ist der Hersteller selber überzeugt, weshalb er diese Methode der Reklame gewählt hat.


Die Wikipedia kennt den Streisand-Effekt (de.wikipedia.org), welcher im Grunde das gleiche Phänomen beschreibt.

Thema: Medien, Politik, Reklame, Sicherheit | 2 Kommentare

Zeit für DIE ZEIT: Der Bahn-Notebook-Kampf

Samstag, 26. Juni 2010, 12:22 Uhr | Autor: ich

Bei einer Bahnfahrt von mehreren Stunden (pro Hin- und Rückweg) hatte ich mal wieder Zeit für DIE ZEIT und für das Beobachten von Menschen.


Auf dem Hinweg habe ich niemanden im Zug mit technischem Spielzeug (ausser Schlafbeschallung in den Ohren) gesehen, ab halb sechs in der Früh ist es wohl auch noch etwas unpassend für die meisten Reisenden. Aber einige sind filmreif eingenickt, inkl. sich an den Sitznachbarn anlehnen, Zeuch im Schlaf fallen lassen und erschreckt aufwachen.

Während der Rückreise sah das Umfeld schon eher nach dem 21. Jahrhundert aus. Handys, plärrende Ohrstöpsel mit Kabeln die zu Taschen (oder waren es Körperöffnungen?) an ungeahnten Stellen führten und natürlich auch Schlepptops.

Ich suchte mir wieder einen 4er-Sitzplatz mit Tisch. Die Plätze mit Tisch sind einfach bequemer, wenn ich etwas Totholz wie DIE ZEIT dabei habe und darin auch lesen möchte. Erst saß ich noch alleine in dem Bereich, da es bis zur Abfahrt noch ca. 10 Minuten dauerte. Der erste der sich am 4er nebenan setzte packte sofort sein Notebook demonstrativ auf den Tisch und schaute sich vorsichtig um, so nach dem Motto “Schaut, habt ihrs alle gesehen? Ein neues super cooooles Notebook! Und das ist MEINS!” Ein paar Minuten später kam eine Frau herein und setzte sich zu dem Herrn mit dem Notebook, auch sie legte ihres auf den Tisch. Beide taxierten den Wert des Fremdgerätes — was, laut dem Mienenspiel der beiden, wohl unentschieden ausging. Zu guter Letzt kam noch jemand mit E-Spielzeug, der sich an meinen Tisch setzte. Die Gegner von der anderen Seite sahen nur kurz herüber und sahen schon auf den ersten Blick: “Das ist keine Konkurrenz für uns!” Denn sie kramte weiter in ihrer Tasche und er versuchte angestrengt zu ergründen wie dieser Fahrplan der Bahn wieder ordnungsgemäß zusammenzufalten ist, den er so gedankenlos in die Hände genommen hatte, was er wohl mittlerweile bereute. Nach getaner Arbeit, legte er den Plan wieder an seinen angestammten Platz, wobei ein Mr.Beansches Lächeln über sein Gesicht huschte.

Let’s Fight

Der Herr am Neben4er öffnete als erster sein Notebook und drückte eine Taste. Nach nur wenigen Sekunden ertönte der typische Startklang von Windows (Meine erste Amtshandlung nach einer Neuinstallation war, ist und wird immer sein: DIESEN Sound abtöten!) Mein Gegenüber verzog keine Miene, obwohl er ganz bestimmt jede Millisekunde mitgestoppt hatte. Er wartete noch ab, denn nun war erst die Frau an der Reihe. Sie öffnete ihr Notebook, kramte dabei noch etwas in ihrer Tasche und drückte nebenbei ein Knöpfchen ihres Lieblings. Auch hier kam nach wenigen Sekunden der Windows-Startklang, ähnlich schnell, ähnlich kraftvoll wie bei ihrem Gegenüber — der erwartete Gleichstand.

Nun war mein Tischgegenüber an der Reihe. Nach dem Aufklappen drückte er sofort eine Taste an seinem ThinkPad von Lenovo. Ich hörte die Festplatte rattern, aber keinen Startklang?! Wow! Ein User von der Sorte die auch den Startklang von Windows hassen. Gut! Ich las weiter mein Totholz.

Einige Minuten (!) später… Der Windows-Startklang! Ich zog DIE ZEIT etwas höher, damit der Post-IBM-Notbuch-Mann mein Grinsen nicht sehen konnte. Sorry dafür, aber manchmal kann auch ich mir Gefühlsäußerungen nicht verkneifen. Die folgenden zwei Stunden hörte ich an seiner gepressten Atmung förmlich die innerlichen Flüche, ob diesem Stück Technik. Ich wollte ihm schon empfehlen es einmal mit einer schlanken Linux-Distribution zu versuchen, denn diese können u.U. auch alte Hardware noch tauglich für das 21. Jahrhundert machen. Ich entschied mich gegen diesen Gedanken, da ich nicht verantworten kann, dass da jemand sein (gehasstes) System hinrichtet, was zumindest irgendwie funktioniert.

Vielleicht ist die sehr lange Startphase des ThinkPads auch durch ein verwurmtes, trojanisiertes, virenverseuchtes Windows bedingt. Vor Jahren hatte ich ein Notebook geschenkt bekommen. Windows 98 an Bord (aber kein Virenscanner) und mit einer Startzeit von geschlagenen 10 Minuten. Der Besitzer kaufte sich ein neues Arbeitsgerät. Nachdem die Platte geputzt war und XP lief, startete das alte Notebook ganz normal in weniger als dreißig Sekunden.

Die Frau am Neben4er bekam nach einiger Zeit einen Zuschauer, geschätzte sieben oder acht Jahre alt. Irgendwann fragte er: “Was muss man da machen?” Aus ihrer Erklärung schloss ich, sie vertrieb sich die lange Fahrzeit mit dem Spielen von Mahjong. Schräg hinter mir spielte auch jemand mit Technikkrams, mit Klängen die lauter und kraftvoller als die der Notebooks waren — ein Smartphone. Als Spielzeug in der Bahn muss es also kein Notebook sein. ;O)

Der OberNerd in diesem Quartett, der vermutlich mehr Stunden pro Woche am Computer verbringt als die anderen drei zusammen, liest eine Zeitung. Für die die mich kennen, vielleicht etwas bizarr, aber wer so viele Stunden an der Kiste verbringt wie ich, ist auch mal froh seine Ruhe vor dem “Computerzeugs” (™ by W.S.) zu haben.


Wer sich einmal die Zeit nimmt und Menschen mit technischem Spielzeug beobachtet, der wird ganz ähnliches wie ich beobachten können. Wer ganz selbstverständlich mit Handy, Notebook & Co. umgeht und für wen dies irgendwie noch Neuland ist. Die Notebook-Drillinge waren jenseits der 40, zwar noch nicht alle Silversurfer (die Gruppe 50+) aber eher nicht mit Computern aufgewachsen. Mein Gegenüber könnte auch schon 50+ sein, was man heute gar nicht mehr so leicht einschätzen kann. In meiner Kindheit hatten 50jährige schon tiefe Furchen schwerer Arbeit im Gesicht — heute arbeiten viele Berufstätige körperlich nicht mehr so schwer wie damals.

Appetizer aus DIE ZEIT – Ausgabe 26

Etwas für Verschwörungstheoretiker?

  • Habt weniger Angst
    Er sei links, liberal und konservativ, sagt Joachim Gauck von sich. Wofür steht der Präsidentschaftskandidat?
    Ein Gespräch
  • Kalter Krieg
    In der vornehmen Atlantik-Brücke streiten Friedrich Merz und Walter Leisler Kiep wie die Kesselflicker
  • Der Sog des Ostens
    Die Türkei kehrt sich von ihren alten Verbündeten in Amerika und Europa ab
    von Josef Joffe
  • Insel der Eintracht
    Josef Joffe: Warum die Europäer plötzlich wieder Amerika lieben

Und was verbindet diese vier Artikel? Der Verein Atlantik-Brücke.
Mitglieder darin sind u.a.: Joachim Gauck, Friedrich Merz, Walter Leisler Kiep und Josef Joffe. (Alle Links führen zu de.wikipedia.org)

Weiß man von Josef Joffes Mitgliedschaft im obigen Verein, ist seine Kritik an der Politik der Türkei einfacher einzuordnen.

Überparteilichkeit, Unabhängigkeit und/oder Objektivität ist eine Mär — auch und vor allem im Journalismus. Daher ist es wichtig zu wissen wer etwas geschrieben hat und nicht nur was geschrieben wurde. Ich lese gerne etwas vom Herausgeber der ZEIT. Da ich meine zu wissen was er seinen Lesern mit auf den Weg geben möchte, in welche Richtung er sie schubsen möchte, kann ich auch gut mit dem leben was ich an Ansichten und Meinungen nicht teile.

Kommt der Input immer nur von Gleichgesinnten kann der Geist nicht wachsen.

Etwas für Wirtschafts- und Entwicklungshilferealisten?

Die Freiheit wird 50

Afrika feiert — nein, nicht nur die Fußball-WM, sondern auch ein halbes Jahrhundert Ende der Kolonialzeit.
(…)
Der Kongo ist der größte und fragilste Jubilar. 64 Millionen Einwohner mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von jährlich 290 Dollar und Bodenschätzen im Wert von Milliarden unter den Füßen. Wichtigste Exportgüter: Diamanten, Kupfer, Kobalt und Schlagzeilen über Rebellen und Massengräber.


Etwas Humor!

60 SEKUNDEN FÜR – Umfragen

Die Erde dreht sich um die Sonne. Äpfel fallen auf den Boden.
(…)
Der Hightech-Branchenverband Bitkom hat dazu Entscheidendes beizutragen.
… Menschen ab 14 Jahren: Das Internet bedeutet ihnen mehr als Waschmaschinen oder Schwiegermütter. Wer hätte das gedacht?

Schwiegermutter, Waschmaschine, Internet” (pressebox.de)

In der Mitte des ZEIT MAGAZINs findet man eine
RÜCKTRITTSERKLÄRUNG
SCHLUSS MIT DIESEM GEMURKSE, ZURÜCKTRETEN MUSS EINFACHER WERDEN — MIT DIESEM FORMULAR

5. Hiermit trete ich zum ____.____.20____ von meinem o.g. Amt zurück, weil
(…)
[ ] ich glaube, dass mich ________________ (Namen einfügen) nicht mehr lieb hat
[ ] mich alle mal können; insbesondere die/ der
________________ (Namen einfügen)
die/ der ist wirklich viel fieser, als man das im Fernsehen so denkt
(hab ich erst auch nicht geglaubt, ist aber so)
(…)
[ ] ich ganz großen Scheiß gebaut hab, weiß ich selber.
Sorry, sorry, sorry!
[ ] ich’s jetzt einfach machen muss (war natürlich nur ‘ne taktische Drohung, jetzt komm ich da nicht mehr raus)
[ ] es irgendwie alle fordern, sogar meine Berater
— ich weiß auch nicht, warum

(…)

9. An dieser Rücktrittserklärung haben mitgewirkt:
[ ] meine Frau
[ ] meine Kanzlerin
[ ] Wieso »meine Kanzlerin«? Ich bin doch die Kanzlerin!

Auch aus dem ZEIT MAGAZIN:

Mit dieser KINDERTÜR können sich kleine Leute ganz groß fühlen. Ideal für den Pariser Präsidentenpalast. www.minjjoo.com



Und wo sind die Links zu den Artikeln? Hier geht es zum Print-Archiv der Ausgabe 26/2010 (zeit.de). Aber (was für ein Zufall <g>) keiner der von mir erwähnten Artikel ist online verfügbar — denn, DAS ist Premium-Content und den gibt es nur auf Totholz. :O)


nein! ich bin kein offizieller oder inoffizieller mitarbeiter der ZEIT — ich lese sie einfach nur gerne.

Thema: DIE ZEIT, so Leute | Kommentare geschlossen