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Datenschutz, ein Placebo um Gesetz zu genügen?!

Am Freitag bekam ich eine Snailmail vom Datenschützer aus Baden-Württemberg:

Heartbleed Datenschutz Baden-Württemberg

Es hat fast vier Monate gedauert, um auf meine E-Mail zu antworten. Die Datenschutzbeauftragten der Länder müssen personell DRINGEND besser ausgestattet werden!

Nach der Bitte um Verständnis, ob der langen Verzögerung, ging es in der Antwort um dies:
http://www.baden-wuerttemberg.datenschutz.de/aktuelle-meldungen-alle/

08.09.2014
Vor fünf Monaten wurde mit dem Heartbleed Bug eine gravierende Sicherheitslücke in der weit verbreiteten Verschlüsselungssoftware OpenSSL bekannt.
(…)
Lesen Sie hier (baden-wuerttemberg.datenschutz.de, PDF) die entsprechende Pressemitteilung.

Warum diese Pressemitteilung nur als PDF verfügbar ist ist mir nicht klar — aber bei Behörden bei denen E-Mails von der Poststelle ausgedruckt, den zuständigen Mitarbeitern im Hause per Boten geliefert werden und der dann per Snailmail antwortet, da muss das wohl so sein. :O|

<einschub>
Auch am Freitag wurde mir am Telefon eine E-Mail-Adresse vorgelesen, von einem Beamten dem die Groß- und Kleinschreibung wichtig war. Nach meinem Hinweis, dass dies egal ist, kam ein “Wieder etwas gelernt!” zurück — das Internet und somit auch die E-Mail ist ja erst seit ziemlich genau 20 Jahren in Deutschland für jeden zugänglich.

Dies ist jetzt nicht als Kritik an den Beamten gemeint, sondern an die die für die Schulung von Mitarbeitern verantwortlich sind.
</einschub>



Deutschlands Datenschützer fordern mehr Personal” (heise.de)

Angesichts der rasant wachsenden Datensammlungen bei Unternehmen und staatlichen Stellen fordern die Datenschützer von Bund und Ländern mehr Personal. “Die zentrale Botschaft ist, dass das Recht auf informationelle Selbstbestimmung handlungsmächtige Kontrollinstanzen braucht”

Wenn man sich den Wahnsinn da Draußen anschaut und selber erlebt, dann kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass es Datenschutzbehörden nur gibt, weil dies in Gesetzen vorgeschrieben ist. Würde man es mit dem Datenschutz und der Aufsicht darüber ernst meinen, dann würde der Bund und die Länder mehr Personal und Mittel zu Verfügung stellen.

Wirklichkeiten des Marktes

Kommentar: Wie die USA ihre IT-Wirtschaft zerstören” (heise.de)
Ich möchte hier nur einen Punkt aufgreifen, bei dem ich Herrn Braun widerspreche.

Die, die es immer schon wussten, werden sich gelangweilt abwenden: Wie kann man denn so leichtsinnig sein, einem US-Unternehmen sensible Kundendaten oder Geschäftsgeheimnisse anzuvertrauen? Doch diese Haltung geht an den Wirklichkeiten des Marktes vorbei. Im Zeitalter der Cloud haben sich gehostete Dienste gegen selbst gepflegte Anwendungen weitgehend durchgesetzt.

Nur weil etwas am Markt angeboten wird, muss ich es nicht kritiklos nutzen. Als denkender Mensch habe ich die Möglichkeit mich für oder gegen etwas zu entscheiden. Manchmal bedeutet dies auch, Verzicht zu üben, sich bewusst gegen den Trend, gegen den Markt zu entscheiden. Vielleicht auch darauf zu warten, bis der Markt das anbietet, was ich nutzen möchte.

  • Ich nutze beispielsweise kein Gmail, weil ich meinen Kommunikationspartnern nicht zumuten kann und will, dass alles was sie von mir bekommen und mir senden, analysiert und im Zweifel an US-Schergen weitergegeben wird.
  • So lange es keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für De-Mail gibt, werde ich diese nicht nutzen.
  • Windows Vista ist Müll, also habe ich so lange gewartet bis Windows 7 kam. Windows 8 ist auch wieder Murks, also warte ich auf Windows 9.
  • Da ich niemanden zwingen kann PGP zu nutzen, muss ich notgedrungen unverschlüsselt meine E-Mails versenden. Aber auch dies ist eine bewusste Entscheidung von mir.

Spätestens seit Echelon ist es kein Geheimnis mehr, dass der Schurkenstaat™ alles an Daten anzapft und verarbeitet, wessen er habhaft werden kann. Cloud-Computing spielt diesen kranken Geistern in die Hände, aber wer nichts zu verbergen hat…

Man hat immer die Wahl.