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Bundesrechnungshof mahnt die Zertifizierung der AusweisApp an

Mittwoch, 24. April 2013, 9:47 Uhr | Autor:

…weil, entgegen der landläufigen Meinung, dies noch immer nicht, nach immerhin 2½ Jahren, vom BSI durchgeführt wurde. Wer diesen Dreck mal probehalber installiert hat, der weiß warum sich das BSI so sträubt. Wenn sie ehrlich wären, dann müssten sie dem BMI sagen: “Sorry, aber die 4,2 Mio. Euro waren Lehrgeld und wir fangen noch einmal von vorne an.” Aber hier geht es um Politik und nicht um Ehrlichkeit und auch nicht um Vernunft.

2012 Bemerkungen – Weitere Prüfungsergebnisse Nr. 01 “Fragen zur Softwaresicherheit beim neuen elektronischen Personalausweis seit Jahren ungeklärt”” (bundesrechnungshof.de)

Die Langfassung (nur 4½ Seiten), also das PDF, sollte man gelesen haben.

Aus dem PDF:

Die Deutsche Rentenversicherung bietet auf ihrer Homepage den Versicherten den Zugang zu ihren Versicherungsdaten bereits über den elektronischen Identitätsnachweis an und verweist dabei auf die vom Bundesamt „zertifizierte AusweisApp“.

1.2
Der Bundesrechnungshof hat beanstandet, dass das Bundesamt den Ausweisinhabern entgegen der Personalausweisverordnung keine zertifizierte Software für den elektronischen Identitätsnachweis zur Verfügung gestellt hat.

Und hier der Absatz von der Rentenversicherung:
Technische Voraussetzungen für die Nutzung der Online-Dienste” (deutsche-rentenversicherung.de)

Welche Software ist erforderlich?

Die AusweisApp übernimmt für die Bürgerinnen und Bürger die Kommunikation zwischen Personalausweis und dem eID-Server. Die Software muss auf dem Computer der Nutzer immer in der aktuellen Version installiert sein. Die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifizierte AusweisApp wird den Bügerinnen und Bürger kostenfrei zur Verfügung gestellt und kann dort unter Ausweisapp heruntergeladen werden.

Das die Rentenversicherung da etwas schwindelt, evtl. auch nur aus Unwissenheit, fiel Heise nicht auf, zumindest wurde es dort nicht erwähnt: “Rechnungshof rügt BSI für AusweisApp-Schlamperei” (heise.de) Da hat Heise geschlampt. ;O)


Weiter aus dem PDF:

In einer weiteren Stellungnahme im Januar 2013 hat das Bundesinnenministerium die Auffassung vertreten, von der Pflicht zur Zertifizierung nach der Personalausweisverordnung könne bei Vorliegen besonderer atypischer Fälle abgewichen werden. Die AusweisApp sei ein solcher atypischer Fall. Eine Zertifizierung sei nicht mehr nötig, da das Bundesamt bereits bei der Entwicklung alle Kriterien für eine Zertifizierung berücksichtigt, überprüft und überwacht habe. Es ergebe keinen Sinn, wenn der Hersteller, in diesem Fall das Bundesamt, sein selbst erstelltes Produkt anschließend zertifiziere.

Was das BMI da erzählt ist natürlich falsch. Die AusweisApp wurde nicht vom BSI verbrochen. Am 12. August 2010 meldete OpenLimit unter “Neue Version der AusweisApp ausgeliefert” (openlimit.com) folgendes:

Anwendungssoftware für den neuen Personalausweis erfüllt höchste Ansprüche an Barrierefreiheit

Am vergangenen Dienstag hat OpenLimit die Testversion 4 der AusweisApp dem Bundeministerium des Inneren (BMI) zur Verfügung gestellt. Die neue Version der Anwendungssoftware für den neuen Personalausweis steht ab sofort den rund 200 Unternehmen und Behörden bereit, die den Ausweis im Rahmen eines Anwendungstest ausprobieren.

Liebes BMI: Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik != OpenLimit

Aber naja, das BMI steht bekanntlich mit IT und Computerzeugs etwas auf Kriegsfuß, siehe: “Gelöschte E-Mail: Postfächer im Innenministerium angeblich nur 9 MByte groß” (heise.de)

Der Testballon “DE-Mail per Gesetz für sicher erklären” ist ja wunderbar aufgestiegen, also wird wohl bald der atypische Fall auch gesetzlich als “zertifiziert” festgeschrieben und das BSI ist aus dem Schneider.


Diese gesetzlich verordnete Unsicherheit führt natürlich auch zur Unsicherheit der Bürger und deren Verunsicherung und Skepsis gegenüber der Technik. Wer halbwegs bei Verstand ist, wird weder die DE-Mail noch den nPA und die AusweisApp nutzen. Es ist zu befürchten, dass irgendwann auch die Nutzung von DE-Mail, nPA und AusweisApp per Gesetz erzwungen wird, genauso wie bereits jetzt die Umsatzsteuervoranmeldung per Elster und Java (!).

Ich bin mir noch nicht sicher, ob es grenzenlose Dummheit der Politiker ist oder ob es einfach Boshaftigkeit ist, so nach dem Motto: “Ich sitze an den Hebeln der Macht, also kann ich jeden Schwachsinn durchdrücken — und der Souverän (kicher) kann nichts dagegen unternehmen!”

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Hashcracken mit Hashcat

Dienstag, 2. April 2013, 20:07 Uhr | Autor:

Rekorde im Passwort-Knacken durch Riesen-GPU-Cluster” (heise.de)

Jeremi Gosney präsentierte (PDF-Datei) auf der Konferenz Passwords^12 seinen GPU-Cluster, mit dem es ihm gelang, 180 Milliarden MD5-Hashes pro Sekunde zu prüfen.

Mit den “180 Milliarden MD5-Hashes pro Sekunde” und hashcat (hashcat.net) habe ich mich noch einmal beschäftigt.

Brute-Force

Das MD5-Rechenmonster braucht für das Finden eines 10 Zeichen langen Passwortes, welches nur aus Ziffern besteht, maximal 0,06 Sekunden. Werden zusätzlich auch Kleinbuchstaben ohne Sonderzeichen verwendet, dann wird nach maximal etwas mehr als 5½ Stunden das Passwort gefunden. Und wenn auch Großbuchstaben verwendet werden, dann braucht das Rechenmonster rund 54 Tage um fündig zu werden.

10 Zeichen lang:
0-9 => 10 Milliarden Kombinationen => 0,06 Sekunden
0-9, a-z => 3,656 Billiarden Kombinationen => 5½ Stunden
0-9, a-z, A-Z => 839,3 Billiarden Kombinationen => 54 Tage

Mit der brachialen Gewalt des GPU-Clusters findet man jedes Passwort, was aber bei einem 16 Zeichen langen Passwort (0-9, a-z, A-Z) schon mal 8,4 Mrd. Jahre dauern kann. (Alter des Universums: ca. 13,75 Mrd. Jahre)

Ich habe mein Äpfelchen, welches nicht zum MD5-Cracken geeignet ist, die folgenden Hashes prüfen lassen:
915af6ed1576fe6451804c1b8775a17a => 1 Minute
e5837b7157a59330e33f8e1b511508af => 5 Minuten
27bf0ad90179b423b7ec895f1b7d8055 => 8 Minuten 30 Sekunden
2a40307b6727b06ece288066004f32d6 => 15 Minuten

Die Zeiten sind eher peinlich, auch weil ich hashcat nur unter Windows 7 (Parallels) laufen ließ, was nur die CPU nutzt und keine Grafikkarte deren GPU eine deutliche Geschwindigkeitserhöhung bringen würde. Aber rein zum testen von hashcat war dies trotzdem interessant. Nur durch schummeln, wobei ich hashcat die Länge des zu findenden Passworts und deren Zeichenbereich (Ziffern, Buchstaben und Sonderzeichen) vorgesagt habe, konnten die noch annehmbaren Zeiten erreicht werden. Da ich also per Brute-Force (noch <g>) nicht wirklich sinnvoll weiter komme, habe ich mir Wörterlisten angeschaut.

Wörterbuchangriff

Wer keine 8 Mrd. Jahre Zeit hat oder wo das Passwort doch länger ist oder auch Sonderzeichen beinhaltet, da helfen Listen von Wörtern bzw. Passwörtern, mit denen man hashcat füttert. z71&+NkRKIF3J9 sieht als Passwort gar nicht so schlecht aus, da es aber in einer der vielen Liste zu finden ist, ist es als Passwort verbrannt und unbrauchbar. Woher die Passwörter in den Listen stammen weiß ich nicht, ich nehme an, sie wurden mit Keyloggern gewonnen. Bei der Auswahl einer thematischen Liste passend zur Website, kann die Quote der gefundenen Passworte deutlich erhöht werden.


Mein kleiner Ausflug in den Bereich der Hashcracker zeigte mir sehr deutlich, dass meine persönlich Passwortrichtlinie nicht nur meine paranoiden Wahnvorstellungen bedient. Sofern die Registrierung auf einer Website es zulässt, sieht ein Passwort von mir wie folgt aus:

@p8?H[^;4t&W2(.f<2)Uxyc{>N%wn]9+643mhD#}*T7Qe:8/kV

Zum knacken des MD5-Hashs von diesem Passwort würde das GPU-Rechenmonster ca. 5,21E+77 Jahre benötigen. :O)

Solche Passworte fallen aus dem “Strong Password Generator” von 1Password (agilebits.com) raus.

(ich kann nur hoffen, dass der zufallsmechanismus von 1password gut ist. <g>)

Thema: Sicherheit, Software | 2 Kommentare