Vorratsdatenspeicherung um Kind wegen Passwortausleihe zu fassen?

Vorratsdatenspeicherung in der Polizeipraxis” (heise.de)

Nach einem Hinweis aus den USA beobachtete das BKA einen Hacker (…) Server der SPD geknackt (…) Das BKA kontaktierte die Partei und erntete dort zunächst Unglauben, verbunden mit der Sorge, dass diese Nachricht als schlechte PR der SPD schaden könne. (…) 18.000 Passwörter gestohlen (…) “grottenschlechte” PHP-Installation, die der Hacker nach rund 870.000 Angriffen mit dem Tool Havij soweit in der Datenbankstruktur erkundete, bis er alle Passwörter von 23 Webservern der Partei erbeutete.

Halt! Stop! Bidde was?!

Warum braucht das BKA einen Hinweis aus den USA? Ist deren BTX schon wieder offline und/oder das Farbband der (bereits) elektrischen Schreibmaschine aufgebraucht!?

Warum wird das BKA bei einem Eierdieb Kaugummi-unter-den-Stuhl-Kleber aktiv?

Kam die Anweisung zur Ergreifung des Kindes von ganz oben und zwar nur weil der Ober-BKAler selber Mitglied der SPD ist?

Manske stellte klar: “Wir hätten den Tatnachweis aufgrund der ausgesetzten Vorratsdatenspeicherung nicht in Deutschland führen können”.

Hallo?! Geht’s noch? Das muss doch schon weh tun!


Noch einmal, zum mitschreiben:

  • Irgendwelche Aushilfspraktikanten haben sich für die SPD an einer Datenbankabfrage in PHP versucht und sind daran kläglich gescheitert.
  • Ein Kind aus Frankreich hat im Internet Havij gefunden.
  • Das Kind hat rausgefunden wie man in Havij klickt und dabei eine SQL-Injection in dem Aushilfspraktikanten-Schrott der SPD gefunden.
  • Den Amis ist dies aufgefallen, was sie dem BKA mitteilten. (Warum fällt den Amis so etwas auf? Langeweile? Mangel an potenziellen Terroristen?)
  • Das BKA widmet sich über Monate hinweg der Ergreifung des Kindes.

Das BKA muss schon sehr verzweifelt sein, wenn sie Kinder verfolgt, nur weil diese in Havij klicken können. Ich kann mir nicht erklären, warum das BKA solche Kinderkacke verfolgt. Wenn sie von den Amis einen Hinweis bekommen, gut, dann geben sie es dem “Opfer” weiter, auch gut, und evtl. noch der zuständigen örtlichen Polizei und fertig, nächster Fall. Aber so? Über mehrere Monate wird da ermittelt und gemacht und getan — Zeit, Ressourcen und Steuergelder verschwendet. Unglaublich!

Der Herr Manske hat sich da wohl auch total vergaloppiert. Die VDS soll doch angeblich nur für “schwere und schwerste Straftaten” genutzt werden. Er zeigt sehr deutlich, wie einzelne Personen ticken und wofür die Vorratsdatenspeicherung letztendlich missbraucht werden soll — für die vollständige Überwachung jedes Bürgers. Es ist aber auch irgendwie beruhigend, dass Manske genau diesen Fall von Kinderkacke gewählt hat — ein Beleg dafür, dass es wohl keine “schwere und schwerste Straftaten” im Internet gibt, die die VDS rechtfertigen könnten.


Wir brauchen die Vorratsdatenspeicherung um ein Kind fassen zu können, dass Passworte aus unbedeutenden Servern ausleiht?

Was ist die Steigerung dazu?

Der NATO-Bündnisfall wenn eine XSS-Lücke öffentlich wird und der Vergeltungsschlag mit Atomwaffen?


Unterm Strich kann man wohl nur feststellen:
Das BKA ist vollkommen überfordert, wenn es um die Bewertung und Einordnung von Straftaten im Internet geht.


Update: 13.10.2012 – 12:08 Uhr

Bericht der Bundesregierung – Bomben gegen Cyber-Krieger” (spiegel.de)

Die Bundesregierung will Waffengewalt einsetzen, um sich gegen Cyber-Angriffe zu wehren – sofern die besonders schwer ausfallen. Das geht aus einem internen Bericht für den Bundestag hervor. Die Gefahr gilt derzeit als gering, Sicherheitsexperten rechnen aber mit einer wachsenden Bedrohung.
(…)
Grünen-Abgeordnete Omid Nouripour… “Es ist wenig plausibel, dass auf eine gehackte Website mit einer Panzerhaubitze geantwortet wird”