Super-GAU: Datenbrief

Dienstag, 9. März 2010, 7:51 Uhr |  Autor: ich

Bisher hatte ich mir das Thema Datenbrief (ccc.de) noch nicht genauer angeschaut, allerdings dachte ich mir schon — wenn die Schwarz-Geld-Clique das gut findet, dann ist daran etwas krumm, wie die Hinterbeine eines Hundes.


Am 2. März schrieb der Blogfürst in “Vom Unsinn eines “Datenbriefes”” (blogfuerst.de):

Ich weiß nicht mehr genau wer die Idee eines sogenannten “Datenbriefes” hatte, der jährlich von allen Unternehmen an alle ihre Kunden verschickt werden soll. Ich weiß nur, dass es ein Unionschrist war.

Nicht so ganz, die Idee ist schon ein paar Jahre alt und kommt vom CCC selber:
Der Chaos Computer Club (CCC) verlangt mehr Transparenz im Umgang mit den persönlichen Daten deutscher Bürger.” (computerwoche.de / 27.12.2008)

Ein jährlicher “Datenbrief”, der jedem Bürger per Infopost zugestellt werden solle und ihn über die Verwendung seiner Daten aufkläre, beschließt die Forderungen der Hacker.

Es ist natürlich durchaus möglich dass auch CCC-Mitglieder ein Parteibuch von der CDU oder CSU haben. ;O)

WELT ONLINE weiß dazu mehr:

Der Chaos Computer Club (…) vertritt eine wertkonservative Bewegung.

Quelle: “Kurze Geschichte der Privatsphäre” (welt.de)


Die Rückkehr der Datenleichen. (pflaumensaft.wordpress.com)
Hier nur der Teaser — auf jeden Fall lesens- und nachdenkenswert:

Wie der Chaos Computer Club längst tote und begrabene Daten wieder zum Leben erwecken will und auch die Politik die Schaufel auspackt um längst verstorbene Datenleichen wieder auszugraben. Warum diese Idee das Zeug dazu hat im datenschutzrechtlichen äquivalent zu Tschernobyl zu enden und ein eklatanter Verstoß gegen das Recht auf Informationelle Selbstbestimmung ist:

Chaos Computer Club gegen Intimssphäre (blogfuerst.de)

Dieses Szenario ist keineswegs extrem oder selten. Ich frage mich nur, ob der CCC so viel Rückgrat besitzt, sich öffentlich einzugestehen, dass der Datenbrief ein Fehler war. Aufgrund der Tatsache, dass gar zwei Bundesminister diese Idee “erwägenswert” fanden, bezweifle ich jedoch, dass dies geschieht. Ist doch der CCC mittlerweile fest als IT-Lobby-Organisation etabliert. Und wer in der Öffentlichkeit steht, neigt eher weniger dazu Selbstkritik zu üben. (Hervorhebung von mir.)



Pflaumensaft hat, im Gegensatz zum CCC, das Datenbrief-Szenario einmal zu Ende gedacht und dem Blogfürst kann ich auch nur beipflichten. Auch ich glaube der CCC hat sich in die Idee verrannt und will nun (in Politikermanier) bei dem einmal gesagten stur festhalten, wobei jegliche Kritik als Majestätsbeleidigung aufgefasst wird.


Fehler zuzugeben ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eher eines von Stärke und einem gesunden Selbstbewusstsein — dem Bewusstsein fehlbar zu sein, mit dem Willen aus Fehlern zu lernen.

  • Twitter
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Wikio
  • Technorati
Tags »   

Trackback: Trackback-URL | Feed zum Beitrag: RSS 2.0
Thema: Datenschutz

Kommentare und Pings sind geschlossen.

5 Kommentare

  1. Ursprünglicher Kommentar:
    ———-Snip————–
    Jetzt muss ich doch mal Gast-Korinthenkacken, verzeih mir:

    Da “GAU” für den “größten anzunehmenden Unfall” steht, kann es keine Steigerung im Sinne eines Super-GAUs geben, da es ja kein Super-Größtes gibt, das größer als das Größte ist.
    ————Snap————-

    Aber das stimmt ja gar nicht!
    Nach etwas Recherche habe ich herausgefunden, dass es sehr wohl den Super-GAU gibt. Da der GAU der größte ANZUNEHMENDE Unfall ist, d.h. der Unfall, für den ein Reaktor noch ausgelegt ist, ist der SUPER-GAU der Unfall, der gerade über das anzunehmende Maß hinausgeht.

    Faszinierend. Der Michl ist schlauer als Sebastian Sick – und das, ohne selbst was gesagt zu haben!

    PS: Wenn das mit dem Spamschutz so weitergeht brauch ich hier bald n Taschenrechner zum Kommentieren!

  2. Lies doch mal http://www.ccc.de/datenbrief in Ruhe durch, es ist ein Vorschlag, der zur Diskussion gestellt ist. Wer sagt denn, dass gegen die sinnvollen Kritiken, die jetzt vorgebracht werden, nicht Abhilfe geschaffen werden kann?

    Das Konzept ist nicht fertig und beschlossen, sondern genau das Gegenteil: eine Idee zum Debattieren. Denn dass sich was ändern muss, ist heute fast jedem klar.

    Wer bringt denn derzeit Kritik vor und warum? Cui bono? Das sollte man sich fragen.

  3. @Holger: “schlauer als Sebastian Sick” (der Zwiebelfisch-Kolumnist des SPIEGEL) bin ich ganz sicher nicht, ich habe nur über die Bedeutung von “GAU” nachgedacht und auf Wikipedia Super-GAU nachgeschaut. Als Korinthenkacker möchte man ja genau sein. :O)

    Der “Spam-Schutz” mag nicht ideal sein, aber Captchas mag ich selber nicht und… in drei Jahren gab es nur einmal Spam, was wohl auch am “nofollow” liegt, da wird es nämlich für die SEO-Fuzzies uninteressant. ;O)

  4. @Mathias: Gleich im ersten Satz hatte ich den Datenbrief verlinkt, ihn natürlich selber auch gelesen und hoffentlich auch verstanden.

    Bevor ich mich über ein Thema auslasse, lese ich immer die verfügbaren Quellen — möglichst im Original. Da Journalisten oder auch Politiker gerne etwas weglassen, sei es aus Platzgründen oder um einen Sachverhalt einseitig darzustellen. Deshalb bin ich auch nicht so schnell mit meinem Blog-Geschreibsel — es gibt schon genügend Blogs oder “Qualitätsmedien” die Halb- und Unwahrheiten verbreiten. Als Korinthenkacker möchte man ja genau sein. :O)

    Von der Idee her mag es ja auf den ersten Blick sehr sinnvoll erscheinen und innerhalb eines Vereins (ich weiß nun nicht wie viele Mitglieder der CCC hat) mag dieser Datenbrief auch praktikabel sein. Was in einem überschaubarem Rahmen gut funktioniert, nun auf alle Bürger und Unternehmen zu übertragen, halte ich dann doch für etwas zu blauäugig.

    Für mich wird eher anders herum ein Schuh draus. Erst wenn ich Daten anfordere und ein Unternehmen mich nicht vollständig informiert und mir mit Datenschutz oder AGB-Klauseln kommt, weshalb angeblich keine Auskünfte erteilt werden dürfen, dann möchte ich ein Recht haben, um die Herausgabe meiner Daten zu erzwingen. Ich möchte aber nicht unaufgefordert von allen Stellen die über mich Daten gespeichert haben Post erhalten, egal ob nun per E- oder Snail-Mail.

    Cui bono? frage ich mich auch, aber auch hier wieder anders herum. Warum springt die Politik so willig auf diesen Zug auf? Ich erinnere nur an das Listenprivileg (de.wikipedia.org). Schon mit der Abschaffung diese Privilegs hatte man die Möglichkeit etwas für den Datenschutz und für die Informationelle Selbstbestimmung des Einzelnen zu tun. Warum tat man es nicht? Weil die Lobbyverbände den Politikern die Ohren voll jammerten, Verlage müssten reihenweise schließen wenn kein Spam versendet werden darf und der Adresshandel wegbricht und — nicht zu vergessen, die Wahl stand vor der Tür. Und nun auf einmal will die Politik den Datenschutz und die Informationelle Selbstbestimmung des Bürgers schützen und stärken? Was verspricht sich die Politik davon? Oder was haben sie evtl. falsch verstanden? Vielleicht haben sie auch nur das gehört was sie hören wollten — Daten, viele Daten, von allen Bürgern — “Wollen wir haben und zwar sofort!” Ich weiß es nicht, ich trau den Jungs und Mädels eben nicht. Da hat mal ein Politiker zu oft gelogen oder nicht die ganze Wahrheit gesagt und das müssen nun alle Politiker ausbaden. :O)

  5. @Matthias:

    Ein Vorschlag, der zur Diskussion steht, ja – nur daß dafür nicht mal Raum zur Verfügung gestellt wird vom CCC, sprich es gibt keine Kommentar-Funktion, lediglich eine Email-Adresse. Beim CCC findet daher auch überhaupt keine Diskussion statt, sondern drumrum in Blogs. Und wer dort mitdiskuttiert, merkt schnell, wie arrogant die Leute vom CCC sind, sie lassen keinerlei Gegenargumente gelten. Wenn sie überhaupt offen auftreten. Darum haben sie wohl auch keinen Dialog auf der eigenen Site – sie scheuen sich, ihr Gesicht zu zeigen während sie Argumente absondern die völlig hanebüchern sind.

    “Wer sagt denn, dass gegen die sinnvollen Kritiken, die jetzt vorgebracht werden, nicht Abhilfe geschaffen werden kann?”

    Dieser Satz ergibt keinen Sinn. Könntest du ihn bitte umformulieren? Im Moment steht da sinngemäß: “Wer sagt denn, daß man die sinnvollen Kritiken nicht abschaffen kann?”

    “Wer bringt denn derzeit Kritik vor und warum? Cui bono? Das sollte man sich fragen.”

    Die Kritik am Datenbrief kommt bisher ausschließlich von Bürgern, überhaupt nicht von Politikern – denen würde der Datenbrief nämlich eine Menge nützen, bzw. den Gesetzgebern.

    Dein Posting ist insgesamt sehr seltsam. Wer bist du? Und welche Argumente hast du denn? Du hast nur Polemik zu bieten, und noch dazu sehr durchsichtige. Mach doch mal Butter bei die Fische!