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“Bürgerclient” für den ePerso

Montag, 16. November 2009, 16:32 Uhr | Autor:

Siemens und Openlimit entwickeln Bürgerclient – Anwendungssoftware für den elektronischen Personalausweis” (golem.de)

Siemens wird zusammen mit Openlimit den sogenannten Bürgerclient für den elektronischen Personalausweis entwickeln. Den entsprechenden Auftrag vergab das Bundesinnenministerium jetzt an Siemens IT Solutions and Services, Openlimit und die Bundesdruckerei.

Dieser “Bürgerclient” ist die Software, die auf dem Computer des Bürgers installiert sein muss, die dann die Kommunikation zwischen dem Kartenlesegerät und dem eID-Server herstellt. Es ist eine der Komponenten der ich vertrauen muss, dass sie mit meinen Daten keinen Mist baut.

Die eigentliche Bürgerclient-Software soll Openlimit entwickeln.

Adhoc-Mitteilung: OpenLimit realisiert den Bürger-Client” (openlimit.com)

OpenLimit XSS
Ok, dies ist nur mal wieder etwas Cross-Site Scripting, was wohl an dem CMS bzw. der Form-Erweiterung liegt, aber trotzdem schwindet mein Vertrauen, wenn ich so etwas sehe.

Wer an solch sensiblen Projekten arbeitet, der muss ganz besonders darauf achten, dass nicht der Hauch von Misstrauen auftaucht. Da ich nun annehmen muss, dass diese Firma Software aus fremden Quellen ungeprüft verwendet, stellen sich mir verschiedene Fragen:

  • Wird im “Bürgerclient” auch Fremdsoftware zum Einsatz kommen?
    • Ist dies Open Source, damit man prüfen kann was sie mit den Daten anstellt?
    • Wenn es kein Open Source ist, wie wird dann geprüft, um unerwünschte Funktionen darin aufzuspüren?
  • Wer bekommt die Möglichkeit in den Quellcode zu schauen, um zu prüfen, was der “Bürgerclient” mit den Daten anstellt?



Da die Verteilung über die Einwohnermeldeämter und deren Websites erfolgen soll, frage ich mich, wie man dort verhindern will, dass manipulierte Versionen unter das Volk gebracht werden?

Im letzten Jahr schrieb ich in “Meldedaten leck(t)en ins Netz” über diese Ämter, weshalb die Frage nicht ganz unberechtigt ist. Mehr als ein Jahr ist in der IT eine halbe Ewigkeit, in der sich viel ändern kann, aber bei den Ämtern?

Am Arbeitslosenamt sah man in den letzten Wochen ja wie man dort tickt:
Bewerber und Betrüger” (sueddeutsche.de)

Jeder, der sich als Arbeitgeber ausgibt, kommt über die Jobbörse der Arbeitsagentur an sensible Bewerberdaten.

Man wollte erst nichts an der bisherigen Praxis ändern:

“Im Hinblick auf die Engpässe am Arbeitsmarkt wollte die BA eine Erhöhung der Einstiegsbarrieren für die Jobbörse vermeiden”, heißt es in einer Stellungnahme.

Erst nach dem “Missbrauch der Jobbörse der Arbeitsagentur” (faz.net) wollte man handeln:

Die Bundesagentur reagierte auf diesen und ähnliche Vorfälle und verschärft die Zulassungsbedingungen für Arbeitgeber, wie BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker gegenüber der F.A.Z. sagte

Und hier “Datenschutzmängel bei neuem Computersystem der Arbeitsagentur” (heise.de) wurde über die Datenbank geschrieben, über die jeder der beim Arbeitslosenamt angestellt ist, auf die Datensätze aller Arbeitslosen zugreifen kann.

Und wenn ich dann auf Golem noch

Unternehmen und Institutionen müssen sich ebenfalls authentifizieren, um auf die Daten der Bürger zugreifen zu dürfen.

lese, so wird mir ganz schlecht. Beim Arbeitslosenamt hat es bisher ausgereicht sich als Arbeitgeber auszugeben, um an die Daten der Arbeitssuchenden zu kommen und bei den Meldeämtern reicht es noch immer aus, wenn man ein paar Euro bezahlt, um an Meldedaten der Bürger zu gelangen, sofern diese der Weitergabe nicht explizit widersprochen haben.

Da werden wir wohl die ersten Missbrauchsfälle abwarten müssen, bis man sich mit großer Vorsicht dem ePerso und dem “Bürgerclient” nähern kann.


Nach wie vor glaube ich nicht, dass die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Verwaltung schon reif genug sind, um Projekte solcher Tragweite, unter das Volk zu bringen.

Thema: Politik, Sicherheit, Wirtschaft, XSS | Ein Kommentar

VZnet: Es geht weiter mit negativer PR

Samstag, 14. November 2009, 18:26 Uhr | Autor:

Strafanzeige gegen Mitarbeiter der VZnet Netzwerke Ltd. – Presseerklärung vom 13.11.2009” (dost-rechtsanwalt.de)

Ich zitier daraus nur mal dies:

Bereits am Samstag, dem 17.10.2009, kam der später als Zeuge vernommene Unternehmensmitarbeiter zu der Auffassung, dass es sich bei den heruntergeladenen Daten keineswegs um von Usern der Plattformen geschützte Daten, sondern um von ihnen öffentlich ins Netz gestellte und frei einsehbare Daten handelt.

Wie ich in “Salami-Taktik von VZnet?” schrieb, hatte VZnet schon ab spätestens dem 8. Juli Kenntnis von dem Bot, da sie die IP-Adresse des Bots blockierten, also wussten sie auch, dass es sich nicht um Hacking im eigentlichen Sinne handelte. Der Bot hat nur die Daten gesammelt, die auch ein ganz normaler User sehen konnte.

Das “Statement zu den Anzeigen des Anwalts Ulrich Dost gegen Mitarbeiter der VZ-Netzwerke” (blog.studivz.net) ist mal wieder – wir geben kein Statement ab und das nächste Statement wird dann wohl lauten: “Zu laufenden Ermittlungen geben wir keine Auskunft.”

So oder so ähnlich wird es wohl in den nächsten Wochen weitergehen, bis die ganze Affäre im Sande verläuft, weil keine stichhaltigen Beweise, wie z.B. der Vertragsentwurf zwischen VZnet und 3x1t, auftauchen oder jemand der Beteiligten auspackt und die Wahrheit sagt.

Die Medien wird die hoch professionelle PR-Arbeit von VZnet freuen, so haben sie in der nächsten Zeit noch viel zum spekulieren. Mehr totes Holz werden sie wohl kaum damit verkaufen, aber ein paar PageViews bringt es ganz bestimmt. Aber naja, warum sollten die VZmenschen die für die Pressearbeit zuständig sind bessere Arbeit abliefern als die die für die Technik der Websites zuständig sind? Dumme Frage!


Auf den üblichen Seiten…
Strafanzeigen gegen SchülerVZ-Mitarbeiter” (heise.de)
SchülerVZ von “exit”-Anwalt angezeigt” (gulli.com)
Rechtsanwalt zeigt SchülerVZ-Mitarbeiter an” (spiegel.de)
Anwalt zeigt Mitarbeiter von SchülerVZ an” (stern.de)
Strafanzeige gegen VZ-Mitarbeiter” (meedia.de)
schreibt niemand von “halböffentliche Daten”, die der Bot gesammelt hätte. Nur in
Strafanzeige gegen VZnet-Mitarbeiter” (golem.de) wird dies verwendet.
Warum nur?

Die VZnet-Netzwerke – die wie Golem.de zu der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gehören

Vielleicht kommt da nur wieder der Korinthenkacker in mir durch, aber ich schaue schon darauf – wer, was und warum schreibt.

Thema: Internet, Korinthenkacker | 4 Kommentare