Quelle & Co. vs. Internet

Sonntag, 1. November 2009, 17:44 Uhr |  Autor:

Von Amazon kennen wir es schon:

  • “Was kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben?”
  • “Wird oft zusammen gekauft”
  • “Passendes Zubehör zu diesem Artikel”
  • “Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch”

Im Shop von OTTO (otto.de) gibt es etwas ähnliches:
otto empfehlung 1otto empfehlung 2
otto empfehlung 4
Aber zu welchem Produkt könnte das eine Empfehlung sein?
Auf dieses Produkt wäre ich jetzt nicht gekommen… ;O)

Und was haben Nass-/Trockenrasierer, Stabmixer-Set, Fußmatte, Jeans-Hose, Oberarm-Blutdruckmessgerät, Plasma-TV, Bügel-BH und Allesschneider gemein?


Worauf will ich hinaus? Die alten Versender, die mit ihren dicken Katalogen Mutti beglückten, haben in der pre-Internet-Zeit gutes Geld verdient, aber die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Es reicht natürlich nicht aus, dem Besucher einer Website einfach irgendwelche Produkte vor die Füße zu werfen, in der Hoffnung, er wird sie schon kaufen.

Im Shop von Neckermann (neckermann.de) sieht es zwar etwas besser aus, aber die Produkte die unter “Kombinierbar mit” verlinkt sind, sind häufig “ausverkauft”. Naja, auch nicht so wirklich sinnvoll, dem Kunden erst zu sagen “Hier gibt es noch etwas passendes!” und dann ist es nicht lieferbar.

Ich hätte ja gerne noch den Shop von Quelle besucht, um mir die “Ausgewählte(n) Preis-Knaller!” anzuschauen, aber über die Startseite kam ich nicht hinaus. Es war abzusehen, dass die Quelle-Server den Ansturm der Schnäppchenjäger (man könnte auch Aasgeier sagen) nicht bewältigen werden.

Zwar hatten die Techniker des Unternehmens nach eigener Erklärung extra für zusätzliche Serverkapazität gesorgt, doch kaum war das Rennen auf die Restbestände um 6 Uhr eröffnet, kam der Netzwerkverkehr mit dem Quelle-Webshop auch schon zum Erliegen.

Quelle: heise.de

Ich nehme mal an, dass man bei den “Preis-Knaller(n)” von Quelle ähnliches erleben wird wie bei den anderen alten Versendet. Da nehmen ich mir mal ein Produkt heraus: “Samsung PS50B430″ ein Plasma-Fernseher.

  • Preis bei Quelle: 849,99 Euro (aus dem Google-Cache), wenn es auf den auch 10% Rabatt gibt, so sollte er nun 764,99 Euro kosten.
  • OTTO meint “bei uns nur € 849,90“.
  • Und die Neckermänner “jetzt 849,00 € bis zu 150,00 € gespart”.

Wenn ich nun meinen Favoriten guenstiger.de anwerfe, so finde ich den gleichen Fernseher für 634 Euro.

Geiz ist nicht geil, aber bei dem Preisunterschied, wird wohl kaum jemand (ohne Rabatt) 215 Euro mehr ausgeben wollen.


Warum sollte ich bei den alten Katalogversendern bestellen?

  • Die Preise sind nicht gut, auch bei nicht technischen Produkten.
    (Levis 501 / Neckermann 90,90 Euro inkl. Versandkosten, OTTO 99,95 Euro zzgl. Versandkosten und in einem beliebigen Shop den ich per Google finde, zwischen 70 Euro und 90 Euro inkl. Versandkosten.)
  • Kaum/keine oder fehlerhafte Verknüpfung mit passenden weiteren Produkten, die auch gerne mal “ausverkauft” sind.
  • Lieferzeiten z.T. eher verwirrend “sofort lieferbar innerhalb 3 Wochen”.
    (Na watt denn nu?)



Von Amazon könnten sich die alten Versender eine Scheibe abschneiden. Amazon versteht es, meiner Meinung nach, so gut wie kaum ein anderer Shop, den Kunden relevante Infos zu Produkten anzubieten und die Preise klammern sich nicht am UVP der Hersteller.

Sollten die alten Katalogdrucker nicht kurzfristig auf das Internetzeitalter reagieren und umschalten, so wird ihnen sehr wahrscheinlich ein ähnliches Schicksal wie Quelle ereilen. Leider haben die, die die Folgen von Missmanagement auszubaden haben, kaum Einfluss auf eine Modernisierung.




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Thema: Internet, Wirtschaft

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6 Kommentare

  1. Traurig, aber wahr…

    Nun ja, ein Vögelein hat mir gezwitschert, daß die besagten Leute aus der Technik nichts von Lastenausgleich gemeint haben, als sie von Kapazitäts-Erhöhung sprachen…

  2. Naja, bei Amazone kannst Du aber auch nicht “auf Probe” kaufen. Das war/ist bis zuletzt eines der stärksten Pluspunkte für die “alten” Häuser. Meine Frau hat Jahrelang die Brut so ausgestattet. Empfundene ca. eine Tonne Ware geordert, dann rund 100 Kilo pro Nachwuchs aussortiert und den Rest zurück gesandt. Die Argumentation war auch griffig. Kein Stress, kein “ich will aber noch Dies und Das haben” usw. usf..

    Allein dafür zahlt man (in diesem Fall Frau) schon ganz gerne mal einen kleinen Aufpreis.

    Und auch nicht vergessen werden darf der Umstand das nicht alle Menschen in Großsiedlungen leben. Viele sind in und um ihre Klein bis Kleinstgemeinde recht Warenisoliert. Das ist dann auch nicht so prall, wenn man erst einmal 20 Km zum nächsten echten Möbelhaus fahren darf…

    Aber was die Nutzung der Technik angeht, da stehe ich direkt neben dir. Das ist in Teilen einfach nur erbärmlich. Aber auch das hat seine Gründe. Schau mal z.B. hier: http://www.cole.de/joomla/Blogs/Internet-+-Co./Quelle-Die-IT-war-nicht-schuld.html

    Kein wunder das da immer weniger Funktioniert. In den Führungsetagen ist noch immer nicht angekommen das man IT nicht mit der Tätigkeit von, na sagen wir mal, Haustechnikern vergleichen kann. Im Outsourcingwahn werden auch immer mehr IT Leistungen nach Draußen expediert, mit den dem entsprechenden Resultaten…

    Das erinnert mich an meine Tätigkeit im Öffentlichen Dienst vor über 15 Jahren. Kurz nachdem ich diesem Verwaltungswahn den Rücken gekehrt hatte, haben diese Genies das damals sehr wichtige Technische Service Zentrum kurz TSZ abgeschafft. Im Resultat wurden alle offiziellen Leistungen an Drittanbieter ausgeschrieben und erst als alles zu spät war festgestellt das es eben auch massenhaft inoffizielle Leistungen gab, die man nunmehr zusätzlich beauftragen musste. Z.B. den Umstand das einer der Mitarbeiter des TSZ bei allen Wartungsarbeiten an Rechnern Servern wie Clients diese immer mit einem Hochdruckgebläse säuberte (sich also auch kein Dreck ansammeln konnte). Ergo musste diese Leistung zusätzlich geordert werden, was natürlich den Preis hoch trieb. Man möchte rufen: “Ihr seit alles Kaufleute!”…

  3. @Lonesome Walker
    Welche Serverkapazität wurde denn verstärkt? Noch ein paar Festplatten, um die zu erwartenden Bestellungen speichern zu können? ;O)

    Einfach nur noch ein paar Server ranhängen ohne Load Balancing kann nicht deren ernst gewesen ein?!

  4. @Michael Kostic:
    Wenn dieses “Ich bestell mal zehn Hosen, irgendeine wird schon passen.” nicht nur Kosten verursacht und der Kunde aus dem Grund dort bestellt, wunderbar.

    Sollen die alten Katalogdrucker doch einfach das was noch gut funktioniert, mit rüber ins 21. Jahrhundert nehmen. Ich befürchte eher, dass da so Betonköpfe rumsitzen und nichts mehr verstehen “Wird schon wieder, hat die letzten 40 Jahre auch geklappt.”

  5. Na ja. In grauer Vorzeit hatten diese Konzerne ja das sagenhafte Glück primär von einer ignoranten Bevölkerung zu profitieren. Diese sah und sieht z.B. bis dato nicht, dass fast sämtliche Transportdienste in Deutschland mehr oder weniger subventioniert sind. Auch gibt es noch immer Leute die glauben Privileg sei in West-Deutschland hergestellt und West-Berlin von West-Deutschland aus komplett versorgt worden…

    Nach der Wende kam dann noch das Zauberwort Mischkalkulation hinzu und fertig war die auf Dekaden verschleppte Insolvenz.

    2+2=4

    Ökonomie ist ein Spiel für die ganze Bevölkerung ;-)

  1. [...] Quelle & Co vs. Internet (mein Gott und meine Welt) Michael hat sich am Sonntag mal die Mühe gemacht und in ein paar Punkten den klassischen Katalogversender mit Amazon und anderen Online-Shops verglichen. [...]