Monthly Archives: Oktober 2009

Doppelmoral der Bloggosphäre

Geschäftsmodell für Journalisten: Blogger abmahnen” (netzpolitik.org)

Er zitierte einige Passagen aus dem Text, setzt korrekt einen Link, kennzeichnete korrekt das Zitat und empfahl seinen Lesern, den ganzen Artikel bei Zeit Online weiter zu lesen

Journalistin lässt Blog abmahnen, fordert 1.200 Euro Schadensersatz für Textzitate” (spreeblick.com)

Um zu unterstreichen, was ihm an der Kolumne gefiel, zitierte Philipp drei Absätze aus dem Artikel von Frau Schweitzer.



Hierum geht es: “Obama of Nine” (nomnomnom.de)

29 Worte aus eigenem Kopf, zu
256 Worte fremder Inhalt…

Dies war kein Zitat!


Wenn allerdings ein Herr Diekmann etwas ähnliches tut…
Return to Sender” (kaidiekmann.de)

Deshalb druckten wir in der Zeitung einen längeren Auszug und stellten den ganzen Text ungekürzt ins Internet – selbstverständlich mit ausführlicher Quellenangabe (…).

(Und dem Hinweis wo man das Heft abonnieren kann, inkl URL zur Website. Und angeblich hat die BILD auch nachgefragt ob sie es nachdrucken dürfen, ob man dies glauben kann, wird evtl. ein Gericht befinden.)

Dann ist er natürlich der Bösewicht – er gehört auch nicht zur Bloggosphäre.


Ich lese weder die BILD, noch würde ich einen toten Fisch beleidigen und ihn darin einwickeln, aber trotzdem versuche ich objektiv zu sein.


Und die Journalistin mit Geschäftsmodell ist gar nicht so böse wie man es wohl gerne hätte, nachzulesen in ihrem Kommentar zu dem “internationalen Skandal”: “Empire Strikes Back” (blogs.taz.de)


Update: 17:05 Uhr

Nun wird’s peinlich und lächerlich…
A New Hope” (blogs.taz.de)


Update: 31.10.2009 – 10:17 Uhr

Diese Journalistin ist noch steigerungsfähig: “All Good Things…” (blogs.taz.de)

Ihre letzten beiden Blogeinträge sind… mir fehlen die unjustiziablen Worte. :O)

Sie hat sich die Merkbefreiung redlich verdient. Auch schön zu sehen, wie man sich innerhalb von Stunden jeglicher Reputation entledigen kann, indem man seine Bildungsferne dokumentiert.

DENIC-Dokument zu Kurzdomain geleakt

Eben wies Fefe (blog.fefe.de) auf ein Dokument der DENIC hin, welches auf WikiLeaks erschienen ist: “DENIC Zusammenfassung Einfuehrung und Rollout von neuen Domains, 28 Oct 2009” (wikileaks.org)


In dem Dokument ist mir als erster Punkt eine Unstimmigkeit im Vergleich zu den “Regeln vor 23.010.09″ und den “Regeln aktuell” aufgefallen, dort steht

Kein Bindestrich an dritter oder vierter Stelle

Es muss aber “Kein Bindestrich an dritter und vierter Stelle” lauten.

Die Domain “ab-cd.de” ist bereits registriert.

und

Die Domain “abc-d.de” ist bereits registriert.

aber

Fehler: “ab--cd.de” ist keine gültige Domain

Diese Einschränkung hat etwas mit den Umlautdomains zutun, da an dritter und vierter Stelle ein Bindestrich steht: “IDN <-> ACE Konvertierer” (denic.de)

Ein Beispiel:
IDN: öko.de
ACE-String: xn--ko-eka.de

(dies nur um mal wieder den korinthenkacker zu bringen<g>)


Es gibt in dem Dokument aber sehr viel interessantere Stellen. ;O)

Unter “Probleme bei der Einführung” findet man z.B.:

Es ist bereits bei den ersten Lasttests aufgefallen, dass der EXIM sich nicht so verhält, wie spezifiziert. Dies geht auch aus dem Testprotokoll hervor.

Also hat man schon im Vorfeld bemerkt, dass es Probleme geben könnte, sofern man nichts unternimmt.

Ein „ungewöhnliches“ Verhalten ist also durchaus aufgefallen, wurde jedoch nicht hinterfragt. Exim hatte in diesem Bereich in der Vergangenheit Fehler aufgewiesen und es wurde daher auf die neueste Version upgegradet.

Nach dem Update wurde wohl angenommen, dass die Probleme nicht mehr auftreten würden, was aber nicht ausreichend nachgeprüft wurde.

Wie hätte dieser Fehler verhindert werden können?

Diesen Fehler würden wir zunächst auf mangelndes Know-How zurückführen. Der Vorschlag zur Nutzung dieses Features kam von Technikern, die blind vertraut haben, dass es sich wie beschrieben verhält. Die Tester haben von Exim wenig Ahnung. Hätten diese sich in die Funktionsweise des Exim eingearbeitet, hätten die Tests deutlich länger gedauert. Die deutlichen Hinweise im Testprotokoll sind vom Kernteam nicht ausreichend hinterfragt worden.

Das sind 4 Stellen, wo der Fehler hätte auffallen können. Ein derartiger Fehler lässt sich in der Zukunft nur vermeiden, wenn sich jemand das fehlende Wissen aneignet.

(Hervorhebung von mir.)

Hier sind weniger die technischen Details zu dem wohl gemeinten MTA EXIM (de.wikipedia.org) interessant, als vielmehr die Kritik der Autorin, die selber für die “Projektleitung” verantwortlich war und zum “Kernteam” gehörte.


Ich kann weder den Hipe um diese reinen Ziffern- bzw. Kurzdomains verstehen – genau so wenig wie damals mit den Umlautdomains – noch warum die DENIC so holterdiepolter den Rollout startete ohne ausreichend Test gefahren zu haben.

Was wäre denn passiert wenn die Registrierung eine Woche oder auch einen Monat später begonnen hätte? Hätte der BGH eine Millionenstrafe verhängt?

Die DENIC hätte einfach die Domain vw.de der VW AG, laut BGH-Urteil, zugesprochen und hätte dann in aller Ruhe den Rollout sorgfältig vorbereitet.

Wenn ein technisches Verfahren noch nicht ausreichend getestet wurde, so muss man eben ehrlich sein, auch sich selber gegenüber. Bei dem geleakten Dokument habe ich den Eindruck, dass da schon mit Problemen gerechnet wurde, diese aber etwas unterschätzt wurden.

Wenn man als Techniker oder Tester von einer Sache keine oder nicht genügend Ahnung hat, so sollte man doch die Größe haben, dies auch zuzugeben…

Ja ja, ich weiß dies fällt vielen Menschen schwer, egal in welchen Bereichen. Der Schäuble würde nun auch nicht öffentlich zugeben, dass er im 100.000-Mark-in-die-Schublade-stecken besser ist als im Job des Finanzministers. ;O)

Zu Schäuble noch etwas Journalistenschelte:

Und was haben die Qualitätsjournalisten getan? Nix! Nur den niederländischen Kollegen belächelt, anstatt die Merkel so lange mit der Frage zu nerven bis sie den Raum verlässt.