Beiträge vom 8. September 2009

“Internet-Manifest”: Naja, eben von Nerds

Dienstag, 8. September 2009, 17:07 Uhr | Autor:

Es wurde schon am Sonntag (twitter.com) angekündigt: “Internet-Manifest” (internet-manifest.de)

Das was ich unterstütze, führe ich hier nicht auf, da Lobhudelei nichts brauchbares beiträgt.

2. Das Internet ist ein Medienimperium in der Jackentasche.
Das Web ordnet das bestehende Mediensystem neu: Es überwindet dessen bisherige Begrenzungen und Oligopole. Veröffentlichung und Verbreitung medialer Inhalte sind nicht mehr mit hohen Investitionen verbunden. Das Selbstverständnis des Journalismus wird seiner Schlüssellochfunktion beraubt – zum Glück. Es bleibt nur die journalistische Qualität, die Journalismus von bloßer Veröffentlichung unterscheidet.

Ist Googles Position nicht auch ein Oligopol? Jeder kennt wohl den Ausspruch “Was Google nicht findet, dass gibt es nicht.” Und wenn wir mal kurz die Medienwelt verlassen, so finden wir weitere: eBay oder Amazon.

Man ist im Internet zwar nicht von einer Firma wirklich abhängig, aber einen der Big-Player bewusst zu meiden, kann schon sehr Aufwändig sein und/oder zu Umsatzeinbußen führen. Es sollte also nicht so getan werden, als ob wirklich immer und überall die freie Wahl bestehen würde.

Es besteht zwar die Möglichkeit sich aus verschiedenen Zeitungen/Zeitschriften zu informieren, aber oftmals findet man fast wortgleiche Meldungen in den Medien, echte Alternativen bzw. andere Meinungen zu finden, ist auch im Internet mühsam.

3. Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet.
Für die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt gehören Angebote wie Social Networks, Wikipedia oder Youtube zum Alltag. Sie sind so selbstverständlich wie Telefon oder Fernsehen. Wenn Medienhäuser weiter existieren wollen, müssen sie die Lebenswelt der Nutzer verstehen und sich ihrer Kommunikationsformen annehmen. Dazu gehören die sozialen Grundfunktionen der Kommunikation: Zuhören und Reagieren, auch bekannt als Dialog.

Auch wenn 69,1 Prozent ((N)ONLINER Atlas 2009 (initiatived21.de)) der Deutschen online sind, bedeutet es nicht das der überwiegende Teil auch Facebook, Twitter und xyzVZ kennt und nutzt. Viele sind schon froh wenn sie ohne Probleme ihrer E-Mails abfragen können.

Wer, wie die Unterzeichner des Manifests, sehr viel im Netz unterwegs ist, hat evtl. eine etwas andere Wahrnehmung der Öffentlichkeit!?

5. Das Internet ist der Sieg der Information.
Bisher ordneten, erzwungen durch die unzulängliche Technologie, Institutionen wie Medienhäuser, Forschungsstellen oder öffentliche Einrichtungen die Informationen der Welt. Nun richtet sich jeder Bürger seine individuellen Nachrichtenfilter ein, während Suchmaschinen Informationsmengen in nie gekanntem Umfang erschließen. Der einzelne Mensch kann sich so gut informieren wie nie zuvor.

Ich glaube da täuschen sich die Macher gründlich. Was ist “gut informieren”? Umfangreich und/oder korrekt? Und ein Sieg?

Wenn man sich zu einer Thematik informiert, so findet man meist schnell viele verschiedene Quellen. Aus dieser Quellensammlung nun aber diejenigen herauszufiltern, die wirklich korrekt und objektiv informieren, ist fast unmöglich. Wie soll man einschätzen welche Motivation der Schreiber verfolgt? Wenn von zehn Quellen neun das Gleiche schreiben, hat dann der eine mit der anderen Meinung unrecht?

Mit dem Internet habe ich zwar einen sehr großen Quell an Informationen, der Zugang ist auch sehr viel einfacher als klassisch in irgendwelchen verstaubten Archiven zu stöbern, aber ein “Sieg der Information” haben wir sicher noch nicht erreicht. Es ist nur ein Schritt in die richtige Richtung.

15. Was im Netz ist, bleibt im Netz.
Das Internet hebt den Journalismus auf eine qualitativ neue Ebene. Online müssen Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitberücksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.

Wieder eine vollkommen falsche Einschätzung, die vergisst das es nur Bits & Bytes sind.

Eine Veröffentlichung, egal in welcher Form (Text, Audio, Video), die nur digital vorliegt, kann und wird verändert werden. Ein gedrucktes Lexikon kann zwar nicht auf den neuesten Stand gebracht werden, aber wenn dort etwas geschwärzt oder eine Seite rausgerissen wurde, so ist dies sichtbar.

Das Internet, die digitale Speicherung unseres Wissens, ist sehr viel leichter manipulierbar als die alten Medien es je waren, darüber sollte man sich im klaren sein. Wenn man wirklich ein “Archiv der Zeitgeschichte” schaffen möchte, so sollte man sich ernsthaft Gedanken darüber machen, wie man eine Manipulation ausschließen will, sofern dies überhaupt möglich ist.


Netzpolitik.org hat das Manifest zur kollaborativen Arbeit daran in ein Wiki gestellt. Ansich ganz löblich, aber diese Nerds, obwohl sie sich selber als Netzbewohner bezeichnen und die nichtNerds als Internetausdrucker verhöhnen, scheinen das Internet und seine Gegebenheiten nicht zu kennen.

Ich kann nur dringend davon abraten das Wiki zu besuchen. Sollte man über einen Link zum Wiki kommen, so sollte man auf keinen Fall einen Link im Wiki anklicken, egal was dort steht.

Durch Vandalismus werden die Seiten im Wiki ständig verändert. Es ist mal nur eine Fotomontage der Unterzeichner zu sehen oder auch nur mal ein sinnloser Text, aber seit Stunden sind immer wieder Links enthalten, bei denen man nicht ausschließen kann, das auch Malware nachgeladen wird.

Diese Nerds schaffen es zwar ein Wiki zu installieren, aber bei der Art Vandalismus, die nicht nur der eigenen Glaubwürdigkeit schadet, sondern evtl. auch Besucher mit Schadsoftware versorgt, schaffen sie es nicht die Notbremse zu ziehen.

Das Internet ist ein Kindergarten und es gibt überall Leute die ihr “Kilroy was here” hinterlassen, dies sollten die Nerds eigentlich wissen.

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