Backups machen nur Weicheier ;O)
Samstag, 11. Juli 2009, 13:45 Uhr | Autor: ich
“E-Gesundheitskarte: Datenverlust mit Folgen” (heise.de)
Nach dem Ausfall eines Hardware Sicherheitsmoduls (HSM), auf dem das private Schlüsselmaterial der Root Certificate Authority (Root-CA) für Karten der Generation 1 gespeichert war, stellte sich heraus, dass es kein Backup dieser Daten gab.
Die Projektgesellschaft Gematik wusste was fehlende Backups bedeuten:
PKI für CV-Zertifikate Grobkonzept
Version: 1.5.0
Stand: 16.06.2008Seite 26
4.4.1 Sicherheitsanforderungen und Schutzbedarf
(…)
Tabelle 3 – Schutzbedarf
(…)
Sicherheitsziel
Verfügbarkeit der privaten Root-SchlüsselSchutzbedarf
hoch [gemSiKo#C2.87] (siehe Anmerkung nach der Tabelle)Erläuterung
Es könnten sonst keine weiteren CVZertifikate für CAs der zweiten Ebene ausgestellt werden.Aufwand
mittel: Backup HSM für die Root-CA oder zweites HSM mit eigenem Schlüsselpaar mit Cross CV-Zertifikaten.
(…)
Anmerkung: (…) Der private Schlüssel der Root-CA MUSS mit hoher Zuverlässigkeit wiederhergestellt werden können. Ansonsten könnte bei einem Verlust des Root-Schlüssels die Situation eintreten, dass aktuell im Feld befindliche Chipkarten mit zukünftig neu produzierten Chipkarten keine C2CAuthentisierung mehr durchführen können.
Quelle: http://www.gematik.de/ upload/ gematik_PKI_CV-Zertifikate_Grobkonzept_V1.5.0_3822.pdf
Und weiter im Heise-Artikel:
“Die Gematik hat entschieden, ‘Wir verzichten auf das Backup’. Das haben wir als Dienstleister zu akzeptieren,” erklärte Merx, (D-Trust Geschäftsführer)
(…)
Die Erklärung, dass man beim Dienstleister auf einen Test ohne Backup der privaten Schlüssel der Root-CA bestanden habe, verweist Gematik-Sprecher Daniel Poeschkens gegenüber heise online in das Reich der Legende: “Wir haben uns nicht gegen einen Backup-Dienst entschieden. …”
In den Richtlinien von Gematik kann man nachlesen das zwingend Backups vorgeschrieben sind:
- Certificate Policy -
Gemeinsame Zertifizierungs- Richtlinie für Teilnehmer der gematik-TSL zur Herausgabe von X.509-ENC/AUT/OSIG-ZertifikatenVersion: 1.3.0
Stand: 16.06.2008Seite 41/42
Es MUSS ein Backup-HSM existieren. HSM und Backup-HSM MÜSSEN die gleichen Sicherheitsanforderungen erfüllen. Zwischen HSM und Backup-HSM MUSS ein kryptographisch gesicherter Transportkanal hergestellt werden können, um den privaten Schlüssel des Root-TSP aus dem HSM gesichert zu exportieren und in das Backup-HSM zu importieren. Alternativ KANN in dem Backup-HSM auch ein eigenes Schlüsselpaar generiert werden. In diesem Fall MUSS ein entsprechendes Paar an Cross-Zertifikaten erstellt werden.
Quelle: http://www.gematik.de/ upload/ gematik_PKI_X_509-Certificate_Policy_ENC+AUT+OSIG_V1.3.0_3851.pdf
D-Trust wird sich den Verzicht auf Backups, in der Testphase, doch sicher schriftlich von Gematik bestätigen lassen haben?
Mich würde jetzt mal interessieren wo der (Kosten)Vorteil ist, einen Test durchzuführen, der kein wirklicher Test ist. Warum verzichtet man in einer Testphase auf Backups?
Lustig finde ich auch dies aus dem Heise-Artikel:
In deren Trustcenter passierte offenbar nach einem Spannungsabfall das, was D-Trust Geschäftsführer Matthias Merx gegenüber heise online als etwas beschrieb, was schonmal vorkommt: “Das HSM hat eigenständig die Daten gelöscht, weil es einen Angriff vermutete.”
Wie war das noch bei Terminator 3? “Können wir nicht den Strom abschalten? Nein, dies würde Skynet als Angriff interpretieren und selbständig alle Raketen abfeuern.” So oder so ähnlich war es doch?! :O)
Thema: Politik, Sicherheit | Kommentare geschlossen






