Monthly Archives: Juni 2009

Fei Lian stellt Forderungen an Energiekonzerne auf

Mal ein Link zu Heise… ;O)
Verleger fordern Schutz vor und Geld von Suchmaschinen” (heise.de)
da sie mich auf zwei lesenswerte FAZ-Artikel gestoßen haben:
In der Grotte der Erinnerung” (faz.net)
Was würde uns fehlen ohne Journalismus?” (faz.net)

Schon irgendwie interessant was der Burda da fordert. Wenn z.B. die Inhalte von focus.de nicht von den Suchmaschinen aufgenommen werden sollen… da braucht es nicht fast 60 Einträge in der robots.txt, da reichen zwei Zeilen vollkommen aus, Herr Burda:

User-agent: *
Disallow: /

Was glaubt er eigentlich woher die vielen Besucher auf den Websites der Zeitungen und Zeitschriften kommen? Jaha, der Surfer gibt Name-der-Zeitung.tld in die Adresszeile seines Browsers ein und liest sich dann von der Startseite aus durch jeden Artikel… bis er etwas findet was ihn interessiert.

Nein, er weiß dass die Suchmaschinen die Besucher auf die Websites bringen.

Gerade eben war der Artikel von ihm in der FAZ noch gesperrt und nur für Abonnenten zu lesen. (Alternativ kann man auch 2 € pro Artikel bezahlen.) Aber nun ist der Artikel frei verfügbar, also kann ich ihn hier auch verlinken:
Wir werden schleichend enteignet” (faz.net)


Burdas Forderungen halte ich für vollkommen absurd.

Natürlich verdienen die Suchmaschinen an den vielen kostenlosen Inhalten im Netz, aber nur indirekt. Genauso indirekt wie Ärzte an der Tabakindustrie verdienen, aber kommt nun diese auf die Idee dem Arzt für jeden “Kunden” eine Provision abzuverlangen? Eher nicht oder?

Wer verdient den alles an den kostenlosen Inhalten im Netz?

  • Suchmaschinen
  • Softwareproduzenten
  • DSL-Provider
  • Hardwareproduzenten
  • Webspace-Provider
  • Domain-Dealer
  • Rechenzentren
  • Stromanbieter
  • Baufirmen für Kraftwerke
  • Betonproduzenten
  • etc. etc.



Er vergleicht auch die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage mit der Musik- und Filmindustrie.

Da nehmen wir uns doch mal eine Musik-CD. Diese CD wird in irgendwelchen Shops verkauft, egal ob nun on- oder offline. Um diese Musik für jeden im Internet verfügbar zu machen, muß ich die einzelnen Titel der CD rippen, in das MP3-Format konvertieren und ins Netz stellen, was schon mal nicht nett ist und das Urheberrecht verletzt.

Analog zu der Musik-CD wäre es dann mit Zeitungen und Zeitschriften ja so, dass da jemand in den Kiosk um die Ecke wetzt, sich eine Zeitschrift kauft, zuhause scannt er alle Seiten der Zeitschrift ein, konvertiert diese zu HTML-Seiten und stellt die komplette Zeitschrift ins Netz.

Wird dies mit Zeitungen und Zeitschriften wirklich so gemacht?

Ja, ganz bestimmt sogar, aber das ist wohl eher die Ausnahme. I.d.R. muß ich mir doch gar nicht die Mühe machen. Fast alle Zeitungen und Zeitschriften haben eine eigene Website und auf der bieten sie kostenlose und kostenpflichtige Inhalte an.

Journalisten kosten Geld, gute Arbeit kostet Geld – ja und warum verschenken die Verlage dann den “Qualitätsjournalismus” im Internet? Wer hindert sie daran für Qualität auch Geld zu verlangen?

Ach ja, da gibt es dann (angeblich) immer die Verlage die die gleiche Information dann doch kostenlos anbieten würden. Aber wo ist denn der “Qualitätsjournalismus” da geblieben, wenn alle Verlage, sehr ähnliche, wenn nicht gar die gleichen Infos verbreiten?

Da kann in der Argumentationskette etwas nicht stimmen.

Wenn ich als Zeitung “Qualitätsjournalismus” betreibe, dann habe ich Informationen die ich nicht an die Konkurrenz verkaufe, also kann ich diese kostenpflichtig meinen Lesern anbieten. Wenn ich allerdings nur irgendwelches Boulevardzeuch veröffentliche – ja, da will doch kein, halbwegs gesunder Mensch Geld für ausgeben, das finde ich im Netz zu Hauf und zwar kostenlos.

Also liebe Verlage ihr müsst euch schon eintscheiden:
Boulevardzeuch == kostenlos
"Qualitätsjournalismus" != kostenlos

Etwas kostenlos anbieten und dann maulen weil es konsumiert wird, das funktioniert nicht…

oder vielleicht doch?

Es ist eine gemeinsame Aufgabe von Politik und Verlagen, verstärkt das Bewusstsein für den Wert und die Relevanz von Zeitungen und Zeitschriften in der Gesellschaft als Kulturgut zu verankern. Im Online-Bereich dürfen die Verlage nicht schlechter gestellt werden als andere so genannte Werkvermittler. Falls erforderlich werden wir ein eigenes Leistungsschutzrecht für Verlage zum Schutz der Presseprodukte im Internet schaffen.

Quelle: CDU/CSU Wahlversprecher (PDF / regierungsprogramm.cdu.de)


Zu Urheberrecht ist dies noch interessant zu lesen:
Die Ideen der anderen” (tagesspiegel.de)

Internet-Piraten gegen Copyright-Magnaten: kleine Einführung in die Ideologie des digitalen Freibeutertums



Und wer ist nun dieser “Fei Lian“, der von den Energiekonzernen was will? Wikipedia hilft auch hier wieder. ;O)

Jeder ist (mindestens) verdächtig

Die Leimruten des BKA im Netz” (zeit.de)

Das BKA hat über mehrere Jahre hinweg (seit 2001) die Zugriffe auf die Fahndungsaufrufe auf der eigenen Website überwacht, also die IP-Adressen in den Logfiles realen Personen zugeordnet, aber dies angeblich “nicht ohne rechtlichen Background” – was auch immer dies bedeutet.

Wie darf ich mir dies vorstellen?

Jeder DSL-Kunde bekommt i.d.R. jeden Tag (Zwangstrennung nach max. 24 Stunden) eine neue IP-Adresse von seinem Provider zugewiesen. Meist besitzen nur Firmen, Unis, etc. eine feste IP-Adresse.

Wenn man also feststellen möchte ob von einem bestimmten DSL-Anschluss aus, auffällig häufig auf eine Seite zugegriffen wird, so muß man an 7 Tagen in der Woche, jeder aufgezeichneten IP-Adresse die Kundendaten des jeweiligen DSL-Kunden zuordnen.

Da muß das BKA dann wohl einen direkten Zugang zu den Datenbanken der DSL-Provider haben, denn ich glaube kaum, dass da für jede einzelne IP-Adresse eine richterliche Genemigung eingeholt wurde.

Also reicht schon ein vager Verdacht aus, um Opfer der Rasterfahndung zu werden. In Zukunft muß man dann wohl ständig seine Unschuld beweisen müssen oder lieber doch Proxy, alternative DNS, VPN, etc. nutzen!