Beiträge vom 29. Mai 2009

Parteien im Internet: Website nur Me-too-Produkt?

Freitag, 29. Mai 2009, 16:05 Uhr | Autor:

Der eine oder andere wird sich gestern gewundert haben, das ich so viel über Twitter rausgehauen habe — es waren nur Peinlichkeiten, keine wirklichen Sicherheitslücken. Und da es nur kurz ein Link war, machte es nicht so viel Sinn, jeweils einen eigenen Blogeintrag zu schreiben, deswegen Twitter. Richtig schwerwiegende Lücken veröffentliche ich nie, wer hier mitliest, weiß das. Also liebe neuen Hackerlehrlinge, ihr könnt die Verfolgung gleich wieder abblasen. ;O)


Ich habe gestern per Google nach inurl:cdu error, inurl:spd error, inurl:fdp error, etc. gesucht. Die Fehler die Google ausgespuckt hat, waren einfach nur Peinlich, die zeigen, dass die Parteien ihre Websites nicht pflegen.

Keine Partei würde auf die Idee kommen, offensichtlich fehlerhafte Texte per Pressemitteilung zu verbreiten. Da wird jedes Wort dreimal umgedreht und beleuchtet, um nicht peinliche Informationen zu veröffentlich, die dann sofort von den “echten Jornalisten” auseinander genommen würden. Das Image der Partei soll in der öffentlichen Wahrnehmung natürlich keinen Schaden nehmen.

“Internet?! Ja, wir haben da auch eine Heimseite, der Junge von der Putzhilfe pflegt sie – sieht sehr schön aus.”

Wenn es denn wirklich der Junge von der Putzhilfe wäre, dann wäre sie wahrscheinlich hypermodern. Aber nein! Die Pflege der Partei-Website wird irgendwem überlassen, Protokollführer, Kassenwart, wasweißich. Der hat evtl. mal, vor vielen Jahren, einen VHS-Kurs für Excel und Word gemacht und nun ist er der “Computer-/Internetexperte” des Orts-, Kreis- oder Landesverbandes. Diese Leute tun mir leid, ihnen wurde ein Nebenjob aufs Auge gedrückt, der sie offensichtlich überfordert. Entweder haben sie nicht den Mut dies zuzugeben oder es gibt schlicht und ergreifend niemand anderen für den Job und irgendwer muß es ja machen.

Die Parteien, da schließe ich jetzt mal alle ein, egal welcher politischen Richtung und egal ob Kreis- oder Bundespolitik, haben offensichtlich noch nicht verstanden, dass das Internet bereits zu den etablierten Medien, wie Radio, TV und Print gehört.


Mein Liebling unter den Verschreiberlies: Das “Mietglied”

  • Mietglied am Runden Tisch des…
  • Mietglied im Kreisverbands…
  • Unternehmerin seit …, Mietglied beim…
  • Mietglied des Rates der Stadt…
  • Kantinenbetreiber, Mietglied im…
  • Mietglied des Europäischen Parlaments…
  • Jedes Mietglied stuft sich…
  • Mietglied des Kaders…

Ich glaube nicht das man das “Mietglied” in einer Pressemitteilung für “echte Journalisten” finden würde, aber auf den Websites der Parteien… Wahrscheinlich liest nur der parteiinterne “Computer-/Internetexperte” die Zeilen und da er es selber geschrieben hat, fällt ihm der Fehler nicht auf. Aber auch die Besucher der Websites, sofern es denn welche gibt, scheinen nur Bildchen zu schauen und keinen Text zu lesen, oder sie trauen sich nicht den Parteien zu schreiben.

So wirklich viele Besucher im Tagesdurchschnitt haben die nicht:
CDU Statistik
SPD Statistik
(Nein, nicht gehackt, man muß nur wissen wie Google funktioniert.)

Niemand würde auf die Idee kommen eine Telefonliste von Anrufern zu veröffentlichen, aber die Statistik einer Website, inkl. der IP-Adressen der Besucher, scheint nicht schützenswert zu sein. Diese Statistiken sind nicht nur peinlich, sie könnte auch datenschutzrechtlich relevant sein.


Die schlechte Pflege der Websites und die Überforderung der “Computer-/Internetexperten” spiegelt sich dann auch bei den sicherheitsrelevanten Fehlern wider. Auch den Parteien, egal welcher politischen Richtung (Fehler in Websites sind unparteiisch. <g>), schicke ich immer wieder Hinweise zu Sicherheitslücken. Bisher habe ich noch nicht eine Antwort auf meine Hinweise bekommen, und, was noch viel schlimmer ist, die Lücken werden nicht geschlossen.

Von den Unternehmern, denen ich Hinweise zu Lücken sende, kenne ich es ja auch so, dass sie sich (i.d.R.) nicht bedanken, aber sie schließen zumindest (meistens) die Lücken. Dass es bei Parteien aber nicht einmal dazu reicht, kann ich nun so gar nicht nachvollziehen. Die Parteien geben viel Geld für Propaganda aus, Flyer, Wahlkampfspots, etc., aber der “Computer-/Internetexperte” der Partei muß, wahrscheinlich noch in seiner Freizeit, alles alleine managen.

Eine schlechte, fehlerhafte Website, ist genauso negativ für das öffentliche Ansehen einer Partei, wie schlechte, fehlerhafte Pressemitteilungen an “echte Journalisten”. Vielleicht ist die eigene Website für die Parteien auch nur ein Me-too-Produkt, da sie ihre Wählerschaft eher noch bei den Offlinern verorten.

Liebe Parteien – nur dabei sein reicht nicht aus!

Thema: Internet, Politik, Sicherheit | Ein Kommentar