Beiträge vom 31. März 2009

Bitte (noch) kein E-Government in Deutschland

Dienstag, 31. März 2009, 20:06 Uhr | Autor:

Abwrackprämien-Portal: Behörde verspricht Nachbesserungen” (heise.de)

Die Frage der Datenverschlüsselung ist bei der Entwicklung der Applikation “UMP neu” schlichtweg übersehen worden, räumt man beim BAFA heute ein. Insgesamt hatte die Behörde nur rund zehn Kalendertage Zeit, um ein Antragsverfahren zu entwickeln, das die von der Bundesregierung beschlossene Änderung der Vergabebedingungen berücksichtigt.
(…)
Von der am gestrigen Montag durch Leserhinweise publik gewordenen Datenschutzpanne, bei der Reservierungsbestätigungen an falsche Adressaten gesandt worden sind, waren laut BAFA-Sprecher Holger Beutel rund 200 Anträge betroffen. Dieses Problem sei inzwischen behoben.

Das die verschlüsselte Datenübertragung der persönlichen Daten der Antragsteller vergessen wurde, bedeutet dann wohl das HTTPS (de.wikipedia.org) nicht der Standard bei Behörden ist und wohl auch nicht in der Ausschreibung aufgetaucht ist.

Ein einfaches Formular in zehn Tagen zu erstellen, das hört sich nicht kompliziert an, sollte machbar sein. Aber bei der Größenordnung an zu erwartenden Anfragen, ist das schon ein eigenes Projekt, was eine gute Planung voraussetzt – das ist nicht mal eben so im Handumdrehen erledigt. Erschwerend kommt hinzu, dass von der Politik nicht klar gemacht wurde, wer in den Genuss der Prämie kommt und ein first-come & first-get verbreitet wurde. Tja. da ist es natürlich klar das jeder der Erste sein will, um die 2500 Euro zu kassieren.

Ich frage mich auch warum nicht der bisherige Dienstleister Babiel das Projekt “UMP neu” betreut hat, dort ist zu lesen:

Hosting Umweltprämie nicht bei Babiel
Die heute von unserem Kunden BAFA bereitgestellte Formular-Applikation zur Reservierung der Umweltprämie (Abwrackprämie) wird leider nicht in unserem Hause betrieben. Die zuständige Fachabteilung hatte sich für einen Anbieter aus Frankfurt (Main) entschieden.

Quelle: babiel.com

Vielleicht war der BAFA das Angebot von Babiel zu teuer, vielleicht haben die Babiel-Jungs aber auch erkannt, dass zehn Tage etwas knapp sein könnte.


Dieses Online-Abwrackprämie-Desaster zeigt leider, dass die Politik und die ausführenden Behörden noch nicht IT-Kompatibel sind. Auch bei solchen vermeintlich kleinen Projekten braucht es ganz klare Ansagen aus der Politik und die die es Umsetzten sollen, müssen dann auch mal ehrlich zu den Politikern sein und sagen “Das geht nicht so und auch nicht so schnell.”

Wenn bei solchen relativ bescheidenen IT-Projekte schon alles daneben geht, wie sollen dann größere Projekte funktionieren? Politiker sind keine ITler, das erwarte ich auch nicht, aber die Berater der Politiker haben offensichtlich auch keine Ahnung von der Materie. Es wird wohl noch einige Jahre dauern, bis Politiker nachgewachsen sind, die entweder selber von Computer, Internet & Co. Ahnung haben bzw. die Größe haben zuzugeben, daß das nicht ihr Thema ist und sich deswegen entsprechend kompetente Berater suchen.

Und noch etwas:
Ich würde mich nicht wundern wenn da noch jemand auf die Idee kommt gegen den Internetzwang zu klagen. Es kann doch nicht sein, dass man den Bürger zwingt ins Internetcafe zu gehen um ein Formular auszufüllen. Wir leben zwar in einem Informationszeitalter, aber es haben noch lange nicht alle einen Internetanschluß und die nötige Erfahrung, um damit auch umzugehen.

Man könnte nun noch über die Kompetenz des neuen BAFA-Dienstleister sprechen, aber die haben auch so genug Probleme, da muß ich nicht noch Salz in die Wunde streuen. ;O)

Thema: Internet, Politik | Kommentare geschlossen