Beiträge vom 7. März 2009

“Hacker-Tools” verstoßen gegen Menschenwürde?

Samstag, 7. März 2009, 12:13 Uhr | Autor:

Presserat spricht insgesamt sechs Rügen aus” (presserat.info)

Hacker-Tools
Ziffer 1 des Pressekodex verletzt sah der Beschwerdeausschuss durch eine Berichterstattung der Zeitschrift PC-WELT. Diese hatte über die „15 illegalsten Hacker-Tools“ berichtet und deren Funktionsweise ausführlich dargestellt. Eine solche Berichterstattung über nicht legale Programme entspricht nicht den journalistischen Grundsätzen. Das Ansehen der Presse gerät in Gefahr, wenn eine Zeitschrift „Gebrauchsanweisungen“ für verbotene Software gibt. Ziffer 1 besagt:

Ziffer 1 – Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde
Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.
Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien.

Man kann über illegal > illegaler > am illegalsten lächeln.
Man könnte rügen wenn über illegale Software detailliert berichtet wird.
Aber diese Rüge mit einem Hinweis auf die “Menschenwürde” zu begründen und die “Achtung vor der Wahrheit” einzufordern ist voll am Thema vorbei. 6 setzen!


Diese Tools hat die PC-Welt vorgestellt:

  1. Aircrack-ng 1.0-rc1
  2. Anydvd (HD) 6.4.5.0
  3. Cain & Abel 4.9.17
  4. DVD Shrink 3.2.0.15
  5. Distributed Password Recovery
  6. Internet Worm Maker Thing 1.1
  7. Offline NT PW & Registry Editor
  8. Ophcrack Live-CD 2.0.1
  9. Passware Kit Enterprise 8.3
  10. Perfect Keylogger Lite 1.15
  11. Protected Storage Passview 1.63
  12. Pst Password 1.11
  13. Shark 3.1
  14. Vista Loader 3.0.0.1
  15. Wireshark 1.0.2

Quelle: LLEGALE TOOLS – Ratgeber: Verbotene Hacker-Tools (pcwelt.de)


Einen Kopierschutz einer DVD auszuhebeln ist ganz klar illegal, auch wenn im entsprechenden Gesetz von “Wirksame technische Maßnahmen” (gesetze-im-internet.de) die Rede ist. Entweder ist der Schutz wirksam, dann kann man ihn nicht umgehen oder er ist eben nicht wirksam. Ein bisschen schwanger gibt es ja auch nicht. :O)

Ein Passwortknacker kann auch für sehr legale Zwecke benutzt werden. Wenn man etwas schusselig ist und sein Windows-Anmeldepasswort verbummelt hat, dann ist man sehr froh darüber, eine entsprechende Software zur Hand zu haben, mit der man das Passwort neu setzen kann.

Mit einem KlickKlickiBuntiBunti-Programm einen Internetwurm zusammenzuklickern… Voll illegal. Da fällt mir auch keine legale Nutzungsmöglichkeit zu ein.

Per WEP-Knacker zu demonstrieren, das WPA sichererer ist, durchaus legal. Eines der Programme die man wohl eher selten braucht. Entweder hat sich jemand mit WLAN-Verschlüsselung beschäftigt, dann benutzt er eh WPA/WPA2 oder er hat es unterlassen, dann ist das WLAN unverschlüsselt und dann braucht man das Programm nicht.

Für das Belauschen des Datenverkehrs in Netzwerken kann es auch sehr legale Einsatzmöglichkeiten geben. Telefoniert z.B. eine Software nach Hause, um Daten zu übermitteln? Wenn ja, welche Daten werden gesendet?


Das was die PC-Welt da schreibt, ist eher ein Beitrag zur Aufklärung der Computernutzer, die wahrheitsgemäß darüber informiert werden, das es Tools gibt, um illegal an Daten zu kommen. Leider wird in dem Artikel nichts zu Gegenmaßnahmen geschrieben. Wer aber z.B. die Beschreibungen zu den einzelnen Programmen liest und über

Dieses Tool knackt den Passwortschutz von Outlook 97, 2000, XP, 2003 und 2007. (…) Da der Passwortschutz in den aufgeführten Outlook-Versionen sehr schwach ist, benötigt das Tool keine lange Rechenzeit.

stolpert, wird hoffentlich über andere E-Mail-Software nachdenken.


So, und was hatte dieser PC-Welt-Artikel nun mit “Menschenwürde” und “Achtung vor der Wahrheit” zutun? Es wurde wahres geschrieben, aber Menschenunwürdiges konnte ich da jetzt nicht entdecken.

Was der Presserat da jährlich rügt ist eher lächerlich. Wenn man sich den Pressekodex (presserat.info) durchliest… da müßte das Fischeinwickelpapier mit den großen Buchstaben, jeden Tag mehrfach gerügt werden und jedes Jahr einen 500 Seiten starken Band mit allen Rügen veröffentlichen.


Und wo bleibt die Presserat-Rüge zu dem hier?
Peinliche Details – Journalisten liefern Informationen an BND” (ndr.de) – Text
Peinliche Details – Journalisten liefern Informationen an BND” (ndr.de) – Video

Thema: Medien, Sicherheit | Ein Kommentar