Beiträge vom 17. Februar 2009

Vodafone für Zensur im Internet

Dienstag, 17. Februar 2009, 19:38 Uhr | Autor:

PROTOKOLL DER „ARBEITSGRUPPE ACCESS BLOCKING“” (netzpolitik.org)

Für mich der spannendste Abschnitt daraus:

Vodafone/Arcor ist (nach meinem Kenntnisstand) der einzige Provider, der die Pläne von Ursula von der Leyen offen unterstützt – nach entsprechenden Berichten hat sich deren Direktor Unternehmenskommunikation und Politik Thomas Ellerbeck für die Pläne aus dem Familienmonisterium eingesetzt. Dabei ist interessant, dass er durchaus mit der Politik verdrahtet ist – als ehemaliger Leiter der Pressestelle der Staatskanzlei von Mecklenburg-Vorpommern und stellvertrenender Sprecher von Roman Herzog gibt es hier sicherlich diverse Kontakte.

Ich halte dieses Vorgehen von Vodafon (vom PR-Standpunkt aus) für sehr dumm, denn deren Kunden die gegen eine Netzzensur sind, könnten auf die Idee kommen, den Provider zu wechseln oder verfolgt man da andere eigene Interessen?

Vielleicht liegt der Einsatz für Filter bei Vodafone aber auch daran, dass man den in Großbritannien genutzten Filter weiterverkaufen möchte? In Tschechien ist er schon im Einsatz: dort filtert Vodafone das, was sie als Kinderpornografie ansehen. Wieso aber nicht nur vollkommen unverdächtige Technik-Webseiten und Tipps wie Studenten bei Vodafone Geld sparen können auf den Sperrlichen landet, das bleibt wohl das Geheimnis von Vodafone …

Solch einen Provider, der auch unliebsame unternehmenskritische Inhalte filtert, kennen wir doch!? Da war mal was mit Freenet: “Internet-Provider Freenet sperrt Seiten von Kritikern” (heise.de)

Ich sehe die Gefahr, das Provider Inhalte sperren könnten, die entweder ihnen selber oder Dritten nicht in den Kram passen.

Das Bundeskriminalamt erstellt eine Liste der Vollqualifizierten Domainnamen (VDN), bei denen es festgestellt hat, dass diese kinderpornografische Schriften im Sinne von § 184b des Strafgesetzbuches (StGB) beinhalten oder den Zugang hierzu vermitteln.
(…)
Die Liste darf nur den für die Sperrung zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zugänglich gemacht werden. Der ISP verpflichtet sich, die in den Listen enthaltenen Angaben nicht an Dritte weiterzugeben oder sonst zu verwenden. Er hat sie durch geeignete Maßnahmen gegen die Kenntnisnahme durch Dritte zu sichern.Er hat überdies sicherzustellen, dass alle Personen, die mit der Sperrung der VDN betraut sind, die in der Liste enthaltenen Informationen nicht an Dritte weitergeben oder sonst verwerten. Diese Verpflichtungen gelten auch im Falle einer Beendigung des Vertrages fort.

Quelle: http://www.ccc.de/press/releases/2009/20090213/20090211-vertragsentwurf-bka-isp.pdf

Da die Liste nicht öffentlich ist und Menschen auch mal Fehler machen… könnten auch Seiten “versehentlich” gesperrt werden die mit KiPo nichts zutun haben… kann ja mal passieren… Man kann auch schlicht behaupten das Seite-X einen Link zu KiPo hatte, den gibt es zwar aktuell nicht mehr… Tja Pech gehabt.

Oder wie wäre es, einfach per SQL-Injection KiPo-Links in unliebsame WebSites zu implantieren, damit sie auf die reguläre Sperrliste kommen? Wie kann der Geschädigte erreichen wieder von der Liste gestrichen zu werden? Wer kontrolliert die Provider und das was sie sperren, ob auch nur das gesperrt wird, was auf der Liste steht?

Thema: Internet, Politik | Kommentare geschlossen