sone und solche Dienstleister
Dienstag, 26. August 2008, 10:18 Uhr | Autor: ich
In der vergangenen Woche habe ich einige E-Mails mit den Machern des %-Bug (mein Beitrag ‘unsichere Bildungseinheiten…‘) ausgetauscht.
…who are you?
The friendly neighbourhood hacker, freelancing consultant or perhaps a xxxxxx member?
Kein Member, aber die anderen beiden schon.
Sie konnten nicht fassen das ihnen solch ein Fehler unterlaufen ist. Die Jungs sitzen in Schweden, sie waren sehr dankbar und sehr freundlich. Auf den Seiten ihrer Kunden, auf denen der gleiche Bug zu finden war, haben sie ihn auch gefixt. Tja, da mußten sie den Kunden wohl oder übel nochmal um Zugang zum System bitten.
Schöne Reaktion von den Schweden und ein netter Kontakt – vielleicht habe ich ja demnächst mal ein Projekt in schwedischer Sprache zu betreuen. ;O)
Letzte Woche besuchte ich einen neuen Kunden in Frankfurt. Zwei Mädels die sich nach 20 Jahren in der (offline) PR-Branche selbständig gemacht haben und nun etwas Hilfe für ihre Internetprojekte brauchen. Sehr sympathisch die beiden, die ganz offen zugeben können wo sie (noch) nicht kompetent sind.
Vor dem Termin habe ich mir ihre WebSite angeschaut, um eine Ahnung davon zu bekommen was mich erwartet. Den Vorabbericht habe ich den Mädels gemailt, damit auch sie einschätzen können was für ein Korinthenkacker sie erwartet. ;O)
Die WebSite der Mädels läuft mit einem Open Source CMS, für welches auch eine neue Erweiterung programmiert wurde, um z.B. Bonuspunkte der angemeldeten User zu verwalten. Man bekommt Bonuspunkte wenn man angibt von welchem bereits angemeldete User man geworben wurde, für Posts im Forum, für Antworten in Umfragen, etc., also auch für Aktivität auf der WebSite.
Beim anschauen ihrer WebSite lief mir schon nach wenigen Minuten ein kleiner Bug über den Bildschirm, im Baströckchen und wild mit einer riesigen Fahne wedelnd, auf dem FANG MICH stand.
Wenn man im eigenen Profil den Usernamen des Werbers angibt dann bekommt man 10 Bonuspunkte. Da man ja nur von einem User geworben werden kann, sollte man auch nur einmal diese Punkte bekommen können. Tja, sollte. Wenn man nach dem Absenden des Formulars einfach ein Reload durchführt und die nochmalige Datenübermittlung bestätigt, so bekommt man wieder 10 Bonuspunkte.
Viele werden den Fehler finden, da sich die Anzeige der Bonuspunkte nach dem ersten Absenden des Formulars nicht aktualisiert. Dann werden die User ein Reload durchführen und sich wundern das sie nun 20 Punkte bekommen haben und nicht 10.
Die Mädels haben ihrem Dienstleister u.a. auch diesen Bug gemeldet. Die Antwort des Dienstleisters, der primär Printzeuch macht, hat mich nicht wirklich gewundert: Der meinte das ja eh niemand den Fehler finden und ausnutzen würde und aus dem Grund wäre er irrelevant. Naja, was sollte ich dazu sagen? Ich wollte jetzt natürlich gegenüber den Mädels nicht den Dienstleister angreifen, das würde dann so aussehen als ob ich ihn schlecht machen will, nur um mich selber in das Projekt reinzudrängen, also habe ich nur gesagt das der Dienstleiter etwas leichtfertig mit dem Bug umgeht, womit das Thema (erstmal) erledigt war.
Im Moment kann man auf der WebSite noch nicht wirklich erkennen wie der Bonus aussieht, den man für die Bonuspunkte bekommt. Wenn aber erstmal die ersten User verstanden haben das man für viele viele Bonuspunkte ein Wochenende für 2 Personen in Rom gewinnen kann…
Die Mädels kennen den Dienstleister aus ihrer Offline-Zeit, wo er wohl gute Arbeit abgeliefert hat. Aber vom Internet scheint er nicht so viel Ahnung zu haben. In den “unsere Leistungen” auf der WebSite des Dienstleisters findet man nichts was mit dem Internet zusammenhängt. Das WebSite-Geschäft betreiben sie offensichtlich nur so nebenbei.
Auch mit meinen weiteren Anmerkungen zu der WebSite wollte oder konnte der Dienstleister nicht so recht etwas anfangen.
Mein Eindruck ist, das der Dienstleister die Mädels auch in Sachen “Programmierung einer Erweiterung für ein Open Source CMS und deren Lizenz” nicht gut beraten hat. Es wurde vorher nicht geklärt welche Lizenzform die Erweiterung hat. Ob weitere Änderungen nur über den Dienstleister (und den externen Programmierer) abläuft oder ob auch fremde Programmierer, in diesem Fall ich, an der Erweiterung rumfingern dürfen.
Den Mädels stieß es erst jetzt unangenehm auf, das sie zum jetzigen Zeitpunkt keinen Zugriff auf die Erweiterung oder die Datenbank haben, und obwohl der Dienstleister bereits Google Analytics auf der WebSite eingerichtet hat, sie weder darüber informiert wurden, noch dazu einen Report erhalten.
Ich weiß natürlich nicht was die Schweden ihren Kunden erzählt haben, warum sie nochmal an das System ran mußten, aber zumindest sind sie mit meiner Kritik professionell umgegangen. Der Dienstleister der Mädels hingegen hat bei jedem meiner Kritikpunkte versucht diese zu negieren, was mir dann auch zeigt das dieser Dienstleister noch sehr viel lernen muß, über SEO, über Flasheinbindung, über Userverwaltung, PR für eine Kunden-WebSite oder offene phpMyAdmin-Setup-Skripte…
Ich denke langfristig zahlt es sich immer aus, mit dem Kunden auf Augenhöhe zu kommunizieren, ihm zu dokumentieren warum man etwas so gemacht hat wie man es gemacht hat. Man muß auch ein Stück weit für den Kunden denken, versuchen das Projekt aus seiner Sicht zu betrachten. Ein Dienstleister sollte sich nicht zu schade sein auch einmal etwas zu erklären was für ihn offensichtlich scheint. Und, ich glaube der wichtigste Punkt, ein Dienstleister sollte seinen Kunden gegenüber ehrlich auftreten und sich auch trauen zuzugeben wenn er etwas nicht kann. Niemand kann alles und wer behauptet er könne alles, der ist einfach nur unglaubwürdig.
Thema: Korinthenkacker | Kommentare geschlossen







