DIE ZEIT vs. YouTube
Freitag, 11. Juli 2008, 23:09 Uhr | Autor: ich
“Haltet den Dieb!” (zeit.de)
Da schreibt ein Print-Mensch über die Onlinewelt und liegt voll daneben.
YouTube ist eine digitale Halde für Videoschrott.
(…)
Viele Beiträge wurden von kreativen Köpfen konzipiert und virtuos umgesetzt. Hochgeladen wurden sie indes von Mitgliedern der YouTube-Gemeinschaft.
Na was denn nun? Videoschrott oder Kunst? Wird aus Kunst alleine deswegen Schrott weil es von einem Dieb hochgeladen wird?
Damit sind sie zugänglich für jedermann, jederzeit, kostenlos. Ein Horror für professionelle Künstler.
Der Print-Mensch verkennt dabei, das viele der kreativen Köpfe, ob nun professionell oder nicht, ihr Material selber hochladen. Die Künstler nutzen diese Plattform für sich – sie vermarkten sich selber.
Viele YouTubeler haben sich einen Dreck um Urheberrechte geschert. Nun aber pochen sie ihrerseits auf den Datenschutz und machen große Augen, weil sich jemand wehrt.
Unsinn! Die meisten “YouTubeler” sind nur Konsumenten und haben nichts mit Urheberrechtsverletzungen zutun. Alleine das Anschauen eines Videos, bei dem der Konsument nicht weiß wer es hochgeladen hat, zeugt nicht davon das ihm das Urheberrecht egal ist.
Schon die Reaktion der YouTubeler zeigt, dass die alte Welt im Recht ist.
Wieder Unsinn! Nur weil sich jemand zu Unrecht angeklagt fühlt und in diesem Fall auch bereits verurteilt wurde, ist der Kläger noch lange nicht im Recht.
Wer schreibt denn in so wenig Text so viel Unsinn?
Der Herr Rohwetter hat 2005 den Otto-Brenner-Preis erhalten und zwar für den Artikel “Ihr Wort wird Gesetz” (Beitrag aus »Die Zeit« vom 6. Oktober 2005)
Für das, wofür Herr Rohwetter den Preis erhielt, kann man ihm nur gratulieren, ein gutes Stück journalistische Arbeit. Aber für das was er gestern in der ZEIT verzapft hat, gebührt ihm ein Negativpreis, für schlechten bzw. vollkommen fehlenden Journalismus.
Ich habe den Eindruck, das die Wurzeln für diesen Unsinn in dem Frust über die Onlinewelt und der “alles kostenlos”-Mentalität vieler Internetnutzer zu suchen ist. Die Werbeumsätze der traditionellen Zeitungen gehen zurück, die Budgets werden zusammengestrichen, immer die Angst von einem Tag auf den anderen wegrationalisiert zu werden, der Online-Kollege übernimmt den Job mit und alles nur wegen des bösen Internets.
Es ist an der Zeit das sich auch die Journalisten, die sich noch nicht in der Onlinewelt wohl fühlen, zumindest versuchen zu informieren und versuchen zu verstehen was das Internet ausmacht, welche Bedeutung es für den Leser hat – denn auf den kommt es letztendlich an. Das Internet ist aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Die Zeitungsverlage haben doch auch den Einzug des Radios und des Fernsehens gut überstanden, sie werden auch mit dem Internet sehr gut leben können – sofern sie es verstehen dieses Medium richtig für sich zu nutzen.
Ich glaube nicht das es für einen Printverlag ausreicht einfach nur das gedruckte Wort online zu publizieren. Die Zeitungs- und auch Zeitschriftenverlage müssen ihr Medium an das Internet anpassen. Sie müssen lernen das der Leser nun nicht mehr nur ein stiller, zahlender Konsument ist. Der Onlineleser will teilhaben, er will mitreden, er will aktiv an der Kommunikation teilnehmen und er will ernst genommen werden. Früher gab es nur den Rückkanal des Leserbriefs, den man an die Redaktion senden konnte, bei dem man nicht wußte ob er überhaupt gelesen wird. Die heutigen Journalisten sollten sich an den Gedanken gewöhnen das der Onliner schnell reagiert und auch eine entsprechende Resonanz fordert. Es reicht nicht aus nur eine Kommentarfunktion einzurichten, über die sich die Leser untereinander, über einen Artikel, austauschen können. Der Journalist muß sich die Zeit nehmen, bzw. sie muß ihm vom Verlag gegeben werden, um mit dem Leser seiner Artikel zu kommunizieren. Das Internet bietet die, meiner Meinung nach von vielen Printverlagen noch vollkommen unterschätzte, Möglichkeit am Puls des Lesers zu fühlen.
Aktuell gibt es 18 Kommentare auf zeit.de zum Rohwetter-Artikel, aber leider bisher keine Reaktion vom Autor – sehr schade.







Samstag, 12. Juli 2008, 0:54 Uhr
allein schon die aussage: “Gute Inhalte gibt es nicht umsonst” sagt alles. dieser zeitgenosse hat offenbar noch nie was gehört von dem begriff “prosument”, kennt sicher auch die vielen neuen lizenz-arten nicht. er hat auch keine ahnung davon daß youtube vielerlei funktionen und möglichkeiten hat (auch z.b. in politischer hinsicht, um nur diesen einen aspekt zu nennen). sprich, er ist völlig dem alten pur-kapitalistischen denken unterworfen, ohne jegliche phantasie.
mal hier was zur anregung für den dinosaurier:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28075/1.html
fazit (zitat):
“Man kann eine Wette abschließen: Wer in fünf Jahren die Prinzipien des Online-Journalismus nicht beherrscht, immer noch keine Links setzt und sich nicht der direkten Konfrontation mit kritischen Lesern aussetzen will, der hat verloren. Das Gute wird sich durchsetzen.”
(anmerkung – ich sage: in 3 jahren, spätestens)
Samstag, 12. Juli 2008, 12:47 Uhr
“Die Werbeumsätze der traditionellen Zeitungen gehen zurück, die Budgets werden zusammengestrichen, immer die Angst von einem Tag auf den anderen wegrationalisiert zu werden”
Das war aber vor ein paar Jahren. In letzter Zeit sind die Werbeeinnahmen gestiegen, und es werden wieder Redakteure eingestellt.
Vielleicht liegt es doch mehr an der saturierten Behäbigkeit, die in der Wirbelsäule der ‘Zeit’ hoch- und runterläuft.