Süddeutsche gegen SEO

Samstag, 14. Juni 2008, 18:00 Uhr |  Autor:

“Sueddeutsche.de-Chef Hans-Jürgen Jakobs fordert SEO-Konvention gegen Manipulationen” (horizont.net)

Ohne Welt Online weiter explizit zu nennen, fordert Jakobs “eine Konvention über statthafte und unstatthafte Maßnahmen” beim SEO. Zuvor sollten “alle Tricks, gegebenenfalls auch Manipulationen, öffentlich gemacht werden”, denn bei “exzessiver SEO” handele es sich um “journalistische Wettbewerbsverzerrung”.

Bisschen seltsam der Jakobs… seine Jungs haben keine Ahnung von SEO und deswegen sollen andere Zeitungen ihre WebSites auch schlecht indexierbar halten?! Das was die welt.de-Jungs da machen ist keine Geheimwissenschaft, das sind keine Tricks, das ist einfach nur SEO.

Gute Suchmaschinenoptimierung kümmert sich nicht um die spezifischen Vorlieben einzelner Suchmaschinen, sie braucht keine Tricks, sie nutzt u.a. einfach nur die in HTML vorhandenen Möglichkeiten, den Inhalt einer WebSite gut erschließbar für eine Indexierung durch Suchmaschinen zu machen.



Ein kleiner Vergleich dessen was in Bezug auf SEO auf welt.de und sueddeutsche.de gemacht wird.

Googlesuche nach “eu irland steinmeier”:

Suchergebnis Nr. 1
“Nach dem Referendum – Steinmeier empfiehlt Irland Ausstieg aus der EU” (welt.de)

URL: http://www.welt.de/ politik/ article2103145/ Steinmeier_empfiehlt_Irland_Ausstieg_aus_der_EU.html

Dies ist eine sogenannte “Sprechende URL”, sie zeigt nicht nur einem menschlichen Besucher worum es geht, auch eine Suchmaschine gewichtet eine solche URL im Ranking sehr viel besser, da alle Suchworte darin vorkommen und mit “politik/” noch eine wichtige Themeneingrenzug stattfindet.

H1-Überschrift: “Steinmeier empfiehlt Irland Ausstieg aus der EU”
zweite Überschrift: “Nach dem Referendum” (hier sollte ein H2-Tag benutzt werden)

Die HTML-Tags H1, H2, etc. sind für ein gutes Ranking in Suchmaschinen wichtig. Text innerhalb eines H1-Tags ist der wichtigste Platz für den Titel eines Artikels. (H1 ist eine Überschrift 1ter Ordnung, H2 2ter Ordnung, etc.)

Da eine Suchmaschine nicht den Sinn eines Textes erkennen kann und nur statistische und semantische Daten erhebt, sind die Hervorhebungen im Text für das Suchmaschinenranking sehr wichtig.

statistische Daten => z.B. wie häufig kommt das gesuchte Wort im Text vor

semantische Daten => H1-Tag (Überschrift erster Ordnung), H2-Tag (Überschrift zweiter Ordnung), B- oder STRONG-Tag (Fettschrift, also wichtiger Text)

Keywords aus den Metatags:

  • Welt Online
  • Europa
  • Irland
  • Dublin
  • Reformvertrag
  • Frank-Walter Steinmeier
  • Hans-Gert Pöttering
  • EU-Erweiterung
  • Berlin

Bis auf “Welt Online” werden alle Keywords im Artikel verwendet.


Suchergebnis Nr. 10
“Nach dem EU-Referendum in Irland – Die große Enttäuschung” (sueddeutsche.de)

URL: http://www.sueddeutsche.de/ ausland/ artikel/ 883/ 180330/

URLs sind für Suchmaschinen auch eine Form von Keywords und diese URL taugt für das Ranking kaum. Nur das “ausland/” hat einen Bezug zum Artikel. Da die Zahlen “883/” und “180330/” im Artikel nicht vorkommen können sie auch nicht in das Ranking einfließen.

H1-Überschrift: “Die große Enttäuschung”
H2-Überschrift: “Nach dem EU-Referendum in Irland”

Der Titel “Die große Enttäuschung” des Artikels ist eine große SEO-Enttäuschung, da er sehr schlecht gewählt ist. Es ist die H1-Überschrift und sie sagt nichts über den Inhalt des Artikels aus.

Keywords aus den Metatags:

  • sueddeutsche.de
  • Süddeutsche Zeitung
  • George Bush
  • Cofi Annan
  • Saddam
  • Blair
  • Schröder (rechte Spalte)
  • Stoiber
  • Merkel
  • Clement
  • Blix
  • Deutschland (rechte Spalte)
  • Irak
  • USA (rechte Spalte)
  • UNO
  • Nato
  • Terror
  • Nahost (rechte Spalte)
  • EU (im Text)
  • Israel (rechte Spalte)
  • Golf
  • Bundestag
  • Wahl (rechte Spalte)
  • Steuer
  • Bundeskanzler (rechte Spalte)
  • Ministerpräsident
  • Regierung (im Text kommt nur das Wort “Regierungschef” vor)
  • Koalition
  • Opposition Nach dem EU-Referendum in Irland
  • Die große Enttäuschung (die Überschrift des Artikels)

Die letzten beiden Keywords… sind keine Keywords… das ist Text und das letzte “Keyword” ist nichts wert, da es zum Ranking nichts beitragen kann.

Bis auf “EU” kommt keines (!) der Keywords im Text vor. Was die SZ da macht wird von Suchmaschinen gerne als Spam betrachtet, da sie keinen Bezug zu dem Text haben. Zum Teil kommen die Keywords nur in der rechten Spalte in den “Weitere(n) Themen” vor, die sich aber auch nicht auf den Artikel beziehen.


Update – 15.06.2008 – 10:55 Uhr:
Die ersten 28 (von 30) SZ-Keywords sind immer (!) die gleichen, in jedem Politik-Artikel – also ist das Vorkommen von “EU” und “Regierung” im Artikel selber nur ein Zufall. Jedes SZ-Thema (Politik, Wirtschaft, Geld, Kultur, …) hat seine eigenen immer gleichen Keywords, unabhängig vom Inhalt des Artikels.
Sorry, das ich das erst jetzt bemerkte, aber soviel SEO-Dummheit konnte ich ja nicht erahnen. :O)

Der TITLE-Tag wird von beiden korrekt benutzt, weswegen ich diese nicht näher erwähnt habe.

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Thema: Internet, SEO

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27 Kommentare

  1. Super Idee mit der Gegenüberstellung! Da dürfte jedem, der sich ein wenig mit der Thematik beschäftigt bereits das ein oder andere Licht aufgehen. Wir können nur hoffen, dass Herr Jacobs das bislang zwar gewusst jedoch – aus welchen Gründen auch immer – nur noch nicht umgesetzt hat. Andernfalls gute Nacht!

  2. Ja es gibt so einige Nachrichten Seiten die das mal ändern könnten, zB auch Shortnews, die ja nur vom Internet leben.

    Aber hier sind durchaus mal einige Fehler gemacht worden, aber das wird sich ja nun bald ändern.

    Ich glaube auf die SZ kommen jetzt viele Bewerbungen von SEO Profis zu ;-)

  3. Ziemlich peinliche Aktion von dem Chefredakteur. Gerade als Journalist sollte er sich doch erst informieren und dann losschreien – bzw. letzteres dann ggf. auch lassen.

  4. soso der jakobs fordert eine seo-konvention gegen manipulationen, und ich fordere eine seo-konvention gegen dummheit!

    die süddeutsche hat meiner meinung nach qualitativ stark nachgelassen in den letzten beiden jahren, weswegen ich sie nicht mehr lese – früher war sie morgens eine meiner ersten anlaufstellen, aber irgendwann wurde offenbar die journalistische recherche grundsätzlich eingestellt, jedenfalls wimmelten die artikel nur noch so von faktischen fehlern.

    wenn es diesem jakobs *wirklich* um einen fairen journalistischen wettbewerb geht, bei dem die qualität entscheidet, dann kann nur er selbst dafür sorgen:

    wenn seine zeitung gut gecodet wäre (seo-technisch), wenn also die technischen vorausetzungen dieselben wären wie z.b. bei der welt, dann würde sich ja herausstellen wie gut die süddeutsche inhaltlich wirklich ist, sprich ob sie dann auch mehr gelesen wird!

    ich wage zu behaupten: selbest wenn google die artikel der süddeutschen besser indexiert, wird diese zeitung trotzdem nicht deutlich mehr leser bekommen, weil sie einfach inzwischen so grottenschlecht ist im vergleich zu früher, und auch im vergleich zu anderen zeitungen.

  5. Na das scheint ja jetzt doch etwas größere Kreise zu ziehen. Wollen hoffen das die sz die Tipps umsetzen kann. Das belebt das Geschäft ;-)

    Schliesse mich aber der Meinung von marianne an das das Hauptproblem wohl einfach bei der QUalität der Artikel liegt.

  6. Sueddeutsche.de-Chef Hans-Jürgen Jakobs hat zumindest mit der Aktion Aufmerksamkeit auf seine Person und der Süddeutschen gelenkt und wird jetzt in Suchmaschinen gefunden. Das ist doch auch Suchmaschinenoptimierung :-)

    Sehr gut die Gegenüberstellung!

  7. die ressortweiten keywords sind in der tat zum eine mischung aus lächerlich und ärgerlich. und sich dann noch als verantwortlicher auf solche art und weise rauslehnen ist gar nicht witzig.

  8. Sehr interessantes Experiment. Werde mir das auch nochmal durch den Kopf gehen lassen und selber mal an einer anderen Stelle durchspielen.