Daily Archives: 6. Juni 2008

Unnormale Betriebssysteme

“BIOS kann das Betriebssystem über Netz laden” (computerwoche.de)

Dell und Intel haben sich auf eine Erweiterung des Basic Input Output Systems (BIOS) von PCs verständigt, die es ermöglicht, das Betriebssystem via Netz zu laden. Die ersten Rechner mit diesen Fähigkeiten werden allerdings nicht vor Januar oder Februar auf den Markt kommen.

Vorteile bringt das neue BIOS vor allem für Unternehmen, die auf allen PCs ein einheitliches Betriebssystem laden wollen – es genügt, eine Kopie der Software auf dem Server einzuspielen, die dann über das Netz an die Rechner verschickt wird.

Es ist schon bald soweit – meine Prognosen treffen ein!

OK.. ich habe ein bisl geflunkert… etwas weggelassen… etwas hinzugefügt… aber nur ein gaaaanz klein bisl…

Die Meldung ist aus dem Jahr 1995!


“Windows steckt in der Krise” (FAZ)

Microsoft sieht sich zudem der viel grundlegenderen Frage gegenüber, welche Bedeutung Windows in der künftigen Computerwelt haben wird. Die traditionelle Domäne von Windows ist der standortgebundene Computer und seine Festplatte. Immer mehr Aktivitäten werden aber ins Internet verlagert, Beispiele sind netzbasierte E-Mail-Dienste oder Fotoverwaltungsseiten. Internetunternehmen wie Google treiben diese Entwicklung mit einem rasanten Ausbau solcher Angebote voran. Google wagt sich dabei auch immer mehr in das Revier von Microsoft vor und bietet zum Beispiel Online-Dienste für Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation.

Krise ist evtl. verfrüht, aber “normale” Betriebssysteme und Anwendungsprogramme werden bald nicht mehr den Stellenwert haben wie heute.

Ich denke entscheidend für die breite Akzeptanz von Betriebssystemen und Anwendungsprogrammen die aus dem Netz geladen werden, wird, neben der Bandbreite, die strikte Trennung zwischen Onlinedienst und persönlichen Daten sein. Wo jemand heute noch bereit ist die Fotos der Geburtstagsfeier in eine Onlineanwendung hochzuladen, um sie dort zu bearbeiten, da wird ein Unternehmer kaum Firmendaten einem Onlinedienst anvertrauen wollen. Und um so offensichtlicher die Schwächen des Datenschutzes zu Tage treten (aktuelle Überwachungsskandale und Datenlecks: Aldi, Lidl, Telekom, T-Mobile,…) um so eindringlicher wird auch der Privatnutzer darauf gestoßen seine Daten nicht jedermann zu geben. Um diesem Dilemma zu begegnen, muß getrennt werden, zwischen meine Daten und deine Daten.

Ein Softwareunternehmen muß natürlich dafür sorgen das ihre Software nicht unkontrolliert auf einen Computer geladen und benutzt wird. Da wird man Soft- und Hardwarelösungen finden, damit kommerzielle Software nur auf einem registrierten Computer ausgeführt wird. Natürlich wird es immer irgendwelche Hacker geben die in solchen Systemen Fehler finden, um Software auch ohne gültige Lizenz zu benutzen. Aber wenn die Lizenz an die Seriennummer einer CPU oder eines Zusatzchips gekoppelt ist, wird das Kopieren und Weitergeben schon schwieriger. Dem Problem der Lizenzierung werden sich die Softwarekonzerne schon annehmen…

Der große Vorteil der OnlyNetWare für den Benutzer wäre, das er nicht ständig selber für Updates des Betriebsystems und der Anwendungsprogramme sorgen muß. Kommt ein neuer Virus, ein neuer Trojaner in Umlauf der Softwarelücken ausnutzt – der Softwarehersteller fixt die Software und jeder der sie benutzt hat sofort die gefixte Version zur Verfügung. Viele Trojaner-, etc.-Angriffe sind heute sicher nur deswegen erfolgreich weil der Benutzer entweder zu faul oder zu unwissend ist, sein System auf dem aktuellen Stand zu halten – was zugegebenermaßen für einen Normaluser sehr nervig sein kann.

Wenn die Kosten für Software nutzungsabhängig erhoben würden, dann könnten die Benutzer auch Software nutzen die heute schweineteuer ist und die Softwarehersteller hätte stetige Einnahmen ohne sich immer neue (unsinnige!?) Features ausdenken zu müssen, um den Einzelverkauf anzukurbeln.

Ich behaupte mal, das jeder Dollar den Microsoft in traditionelle Software steckt vergeudet ist und wenn sie nicht zügig anfangen auf dem Gebiet OnlyNetWare zu arbeiten, dann ist in absehbarer Zeit das Aus vorprogrammiert.

Microsofts bisherigen Onlinegehversuche sind alle samt gescheitert. Erst vor ein paar Tagen wurde ein MS-Dienst aus dem Betastadium entlassen: “Microsofts Web-Übersetzungsdienst ist fertig” (heise.de)

Dieser MS-Übersetzungsdienst ist aber nicht besser als der Google Übersetzer.

Microsofts Übersetzer kennt:
– Englisch => Deutsch
– Französisch => Deutsch

Googles Übersetzer kennt:
– Sprache erkennen => Deutsch
– Arabisch => Deutsch
– Bulgarisch => Deutsch
– Chinesisch => Deutsch
– Dänisch => Deutsch
– Englisch => Deutsch
– Finnisch => Deutsch
– Französisch => Deutsch
– Griechisch => Deutsch
– Hindi => Deutsch
– Italienisch => Deutsch
– Japanisch => Deutsch
– Koreanisch => Deutsch
– Kroatisch => Deutsch
– Niederländisch => Deutsch
– Norwegisch => Deutsch
– Polnisch => Deutsch
– Portugiesisch => Deutsch
– Rumänisch => Deutsch
– Russisch => Deutsch
– Schwedisch => Deutsch
– Spanisch => Deutsch
– Tschechisch => Deutsch

Nicht nur das Google schon seit mehreren Jahren einen Übersetzungsdienst anbieten, Google kann auch mehr Sprachen direkt ins Deutsche übersetzten. Der Microsoft Übersetzer kann Japanisch z.B. nur über den Umweg Englisch ins Deutsche übersetzen, was natürlich zu weiteren Verlusten der Übersetzungsqualität führt. Auch ist das “Sprache erkennen” sehr hilfreich, wenn man die Ausgangssprache nicht identifizieren kann.

Die Ladezeiten sind auch sehr unterschiedlich:
– Microsoft (AdBlock aktiviert) => 13 Sekunden
– Microsoft (AdBlock deaktiviert) => 3 Sekunden
– Google (AdBlock aktiviert) => 2 Sekunden
– Google (AdBlock deaktiviert) => 2 Sekunden

Der einzige Unterschied auf der Microsoftseite zwischen AdBlock an und aus, ist ein Werbebanner für Windows Live

“Windows Live bringt Ihre Onlinewelt zusammen” aber “Klicken Sie auf “Installieren”, um diese kostenlose Software herunterzuladen und auf die kostenlosen Onlinedienste Windows Live Hotmail, SkyDrive, Spaces und Ereignisse zuzugreifen.”

Onlinedienste funktionieren nicht so, da wird keine Software runtergeladen und installiert… <kopfschüttel>

Tja Microsoft, das wird noch ein langer, schmerzhafter Weg – oder es folgt der Untergang. Arbeiten dort nur alte Säcke, die an traditioneller Software hängen? Ich muß gestehen, ich verstehe Microsoft nicht. Die wollen offensichtlich noch immer an Altem festhalten. Sie wollen weiterhin ein (fast) totes Pferd reiten.