Medienkompetenz
Dienstag, 20. Mai 2008, 19:59 Uhr | Autor: ich
Seit ein paar Tagen steht die Video-Dokumentation der re:publica ’08 online zur Verfügung. Diese Veranstaltung wird zwar gerne als “Bloggerkonferenz” bezeichnet, ist aber auch für den Rest der Netzgemeinde interessant, zum Beispiel:
(Das Video wurde auf re-publica.de leider gelöscht, aber hier findet man es noch: re:publica08: Nützliches Vergessen – Informationsökologie im digitalen Zeitalter (podcast.de))
Nützliches Vergessen
Viktor Mayer-Schönberger hielt die Keynote. Thema war ein Verfallsdatum für Daten, wobei die Daten im Internet im Focus standen.
“Ich hab mir gedacht – ich beginne meinen Vortrag mit der Farbe Magenta. (Lacher im Publikum) Ich möchte meinen Vortrag der Deutschen Telekom, insbesondere T-Mobile widmen, denn im Gegensatz zu allen anderen Firmen die ich kenne und im Gegensatz zu Google, hat es die T-Mobile geschafft eine Farbe, eine Grundfarbe, ihr Eigen zu nennen. Ich find das großartig. Es ist wahrscheinlich das letzte mal das sie die Farbe Magenta sehen können, und damit wird ab morgen die ganze Welt schwarz/weiß sein. Weil… wie gesagt… The company… das ist aus dem Schreiben der Deutschen Telekom, von letzter Woche… »the company therefore holds trademark protection for the use of this color« Ja… Dummheit siegt… … Nützliches Vergessen…”
Mit seiner Widmung bezog er sich wohl auf das hier, wo sich die Telekom mal wieder für ihre Farbe ins Zeug legte… und lächerlich machte. Irgendwie haben die Telekomiker einen PR-Disaster-Detektor im Arsch… ;O)
Der aus Harvard angereiste Wissenschaftler berichtete in seinem Vortrag „Nützliches Vergessen“ von einer amerikanischen Referendarin namens Stacy Snyder, deren „Traum Lehrerin zu werden, von einem auf den anderen Tag zuende war“. Der Grund: Ein Foto der Referendarin, hochgeladen auf die Netzwerk-Plattform MySpace. Titel: der betrunkene Pirat. Stacy Snyder hatte eine lustige Mütze auf dem Kopf und ein volles Glas in der Hand – dem Verhalten einer Lehrerin „unwürdig“ urteilten die potenziellen Arbeitgeber. Aus war der Traum. Ein Beispiel, durch das der Wissenschaftler die digitale Problematik in die Wirklichkeit hievte.
Quelle: Der Tagesspiegel
Mayer-Schönberger sprach zwar davon das der Dekan der Uni ihr das Diplom verweigerte, aber das sind nur Details…
Ob allerdings ein Verfallsdatum für Daten an dem Fall von Stacy Snyder etwas geändert hätte wage ich zu bezweifeln – was eher hilfreich ist ist Medienkompetenz. Das Internet ist noch relativ neu, wobei es dann auch ganz natürlich ist, wenn man den Umgang damit noch nicht beherrscht. Für viele ist es auch sicher nicht in voller Konsequenz abschätzbar was es bedeutet Daten, speziell persönliche Daten, im Internet zu hinterlassen.
Aber zurück zum Verfallsdatum für Daten jeglicher Art. Problematisch erscheint mir, neben der technischen Umsetzung, vor allem – die Prüfung ob Daten wirklich gelöscht wurden. Wenn es in einer Datei Metadaten gibt die bestimmen das ab Datum x die Datei nicht mehr lesbar ist, dann wird es sicher auch Konverter geben die diese Metadaten verändern und somit den Löschgedanken ad absurdum führen. Wer soll/kann das kontrollieren? Bekomme ich dann jeden Tag Mails in denen mir mitgeteilt wird das auf WebSite-X, in Blog-Y oder Forum-Z Beiträge von mir gelöscht werden? Und was geschieht mit den Antworten auf meine, nun gelöschten, Beiträge? Zum Teil wird man die Antworten nicht mehr verstehen können!? Dann wird wohl immer Fullquote praktiziert werden… öhm… das ist aber auch von mir und soll gelöscht werden!? Alles gar nicht so einfach.
Die Ausführungen von Mayer-Schönberger sollte man wohl kaum als Blaupause verstehen, um nun fleißig an Soft- und Hardwarelösung des Problems zur Verbreitung und Löschung von persönlichen Daten zu arbeiten. Vielmehr verstehe ich ihn so, das mehr Menschen für den Umgang mit ihren persönlichen Daten sensibilisiert werden müssen. Wenn man z.B. beim Upload eines Bildes eine Abfrage bekäme, wann das Bild gelöscht werden soll, dann würden die meisten sicher “nie” oder ein Datum weit in der Zukunft anwählen, aber evtl. würde auch der eine oder andere überlegen was das Bild in fünf Jahren bedeuten kann – nämlich z.B. die Jobabsage von einem potenziellen Arbeitgeber.
Wer nicht grad einen sehr häufigen Namen trägt der kann ja mal ein bischen nach sich selber googlen, um dann evtl. festzustellen das da Daten im Netz zu finden sind, die sie/er doch lieber nicht so gerne am Schwarze Brett in der Uni wieder finden möchte oder als PostIt am elterlichen Kühlschrank.
Das Mayer-Schönberger ein Mac-User ist, hat man ja schon bei der Keynote gehört, aber er ist auch ein Computerfreak, der wissen will wie schnell sein Mac ist… :O)
“245 Mflop/s; Mac Mac OS Dual G5 …”
Thema: Internet, Sicherheit | 2 Kommentare





