Beiträge vom 26. Januar 2008

Datenschutz ist unmoralisch

Samstag, 26. Januar 2008, 20:30 Uhr | Autor: ich

“Polizei kritisiert Verkauf unregistrierter Handy-Karten” (heise)

Der stellvertretende Vorsitzende des BDK, Wilfried Albishausen, bezeichnete den Service gegenüber dem Westfalen-Blatt als “unmoralisch und für die Polizeiarbeit fatal”.

(Wilfried Albishausen nennt angeblich explizit die Firma “Anonyphone“. “angeblich”, da ich leider nichts dazu auf der WebSite vom Westfalen-Blatt gefunden habe. Nur dies fand ich, aber dort wird weder “Wilfried Albishausen” noch explizit “Anonyphone” genannt.)

Was ist das für eine Polizei die es für “unmoralisch” hält wenn ich nicht ständig abgehört und überwacht werden möchte?

Wenn die Staatsorgane meine Privatsphäre nicht als schützenswürdiges Gut ansehen dann muß ich mich selber schützen und dazu gehört dann evtl. auch der Kauf von anonymen SIM-Karten.


Aber, was ist das für ein Firma, die wie aus dem Nichts auf dem Schimmel daherkommt um unsere Bürgerrechte zu verteidigen – und vom stellvertretenden BDK-Vorsitzenden beworben verteufelt wird?

Das BKA und der BND sind US-Geschult und die Amis haben noch immer die Denke “Der Feind meines Feindes ist mein Freund.”, also hofft man wohl auf Kundschaft für “Anonyphone”, wenn man behauptet das deren SIM-Karten “für die Polizeiarbeit fatal” wären?!

Wenn man paranoid genug ist könnte man vermuten das “Anonyphone” ein Honeypot des BKA und/oder BND ist. Wer kauft solche anonymen SIM-Karten? Natürlich auch Otto Normalbürger, aber wohl mehrheitlich Kriminelle die an die Anonymität der SIM-Karte glauben. Ich glaube aber das die dicken Fische der OK andere Möglichkeiten haben anonym Informationen auszutauschen, die brauchen “Anonyphone” nicht.


Hier die Aktivitäten der Baytrade Ltd. (Betreiber von anonyphone.de):
BayTrade – innovativer Dienstleister im B2B – Bereich.
einfach anonym telefonieren
MultimediaConsult – webdesign und e-commerce
Swiss Bank Accounts
H2P Industrial Development GmbH
Prepaidkarte komfortabel wie Vertrag
Die VISA Electron PrePaid-Karte


Man muß nicht gleich so paranoid wie ich sein <g>, aber etwas Skepsis bei den Aktivitäten der Baytrade Ltd. sind, so glaube ich, schon angebracht.


Update 27.01.2008 – 20:45 Uhr:

anonyphone.de – Dienst vorübergehend eingestellt

Da ist “anonyphone.de” relativ schnell eingeknickt. Ist der Vertrieb anonymer SIM-Karten evtl. doch nicht legal?

Thema: Politik, Sicherheit | 2 Kommentare

Teurer Spaß mit Bayerntrojaner

Samstag, 26. Januar 2008, 8:52 Uhr | Autor: ich

Bayerntrojanerdokument vom CCC veröffentlicht:

1. Mietpreis der Skype-Capture-Software pro Monat und Maßnahme 3.500 €
2. Einmalige Installationskosten vor Ort für den Auf- und Abbau 2.500 €
3. Mietpreis der SSL-Dekodierung pro Monat und Maßnahme 2.500 €
4. Anmietung von zwei Proxyserverb zur Verschleierung der eigenen IP-Adresse Keine Angaben

[...]

Funktionen der Skype Capture-Unit

  • Live-Ausleitung der Voice
  • Live-Ausleitung des Chatverkehrs
  • Live-Ausleitung des Videoverkehrs
  • Live-Ausleitung der Dateiübertragung
  • SkypeIn
  • Skypecasts
  • SkypeSMS
  • Darstellung der Buddy-Liste
  • Komprimierte Datenübertragung
  • Verschlüsselte Datenübertragung
  • Streamingfähiger Mediaplayer
  • Verschleierung der Zieladresse des Recordingservers über Proxys
  • Zeitliche Begrenzung der Maßnahme (wird nach Ablauf automatisiert gelöscht)
  • Update unbemerkt über den normalen Datenstrom
  • Deinstallation jederzeit über den normalen Datenstrom
  • Skype-Capture Unit für die Betriebssysteme Windows 2000® und Windows XP®

[...]

Die Mindestmietdauer beträgt 3 Monate.

Damit kostet eine Maßnahme mindestens 20.500 €, welche von Polizei und Staatsanwaltschaft, also am Ende vom Bürger, aufgewendet werden muß.

Installation und Deinstallation kostet 2.500 € – wobei die Deinstallation automatisiert abläuft?! Tja, Behörden kann man jeden Dreck, zu fast jedem Preis verkaufen. Der Bösewicht benutzt einfach nicht Windows 2000 oder XP und schon sind die zwanzigeinhalb Mille für’n Schornstein. Bösewichte benutzen eh immer Linux, fracht ma’ Microsoft, die bestätigen das. ;O)

Und wer hat’s erfunden? Nicht die Schweizer, die Hessen warn’s: DigiTask

Ich hoffe die haben von Trojanerprogrammierung genausoviel Ahnung wie von JavaScript. ;O)

function onrightmouseclick(e) {
if(navigator.appName == ‘Netscape’ && (e.which == 3 || e.which == 2))
{
return false;
}
else if (navigator.appName == ‘Microsoft Internet Explorer’ && (event.button == 2 || event.button == 3))
{
alert(“Funktion not available – Copyright by DigiTask”);
return false;
}
return true;
}

document.onmousedown=onrightmouseclick;
if (document.layers)
window.captureEvents(Event.MOUSEDOWN);
window.onmousedown=onrightmouseclick;

Der Quellcode von denen ist nicht so spannend. Copyrightmäßig würde ich sagen, urheberrechtlich nicht schützenswürdig. Frames, kein valides HTML, sich wiederholende Hintergrundgrafiken, dort wo sie sich nicht wiederholen sollten, untaugliches JavaScript, statt einfach per CSS a:hover zu benutzen wird jeweils ein Flash (!!) benutzt, etc. etc. Und dafür “Copyright by DigiTask”? Joho sischer datt. Im Trojaner steht bestimmt auch irgendwo “DigiTask”, einfach mal Platte scannen. ;O)

Als Ihr fachkundiger Partner mit dem spezifischen Wissen in den Gebieten Web- und Printdesign, erstellen wir Ihnen die Webpräsenz, die Ihre Bedürfnisse gekonnt in ein modernes und innovatives Design umsetzt.

Pruuust… gnade… bitte… aufhören…

Das Webzeuch ist bestimmt nur Tarnung. :O)

Mehr dazu bei heise: “Kein Dementi aus Bayern zum Trojaner-Einsatz fürs VoIP-Abhören”

Thema: Politik, Sicherheit | 2 Kommentare