Medizinstudentin Cornelia E.
Freitag, 7. Dezember 2007, 8:45 Uhr | Autor: ich
“Sie war unsere Beste” (SPON)
Was zeichnet einen Arzt, eine Ärztin aus?
“Die derzeit übliche Ausbildung der Erstsemester – vorwiegend abstrakte naturwissenschaftliche Vorlesungen mit anschließendem Leistungsnachweis durch die ärztliche Vorprüfung – begünstigt nach Burgers Ansicht vor allem Technokraten und schematisch denkende Menschen. Studenten, die zum Lernen Zusammenhänge brauchten, fielen dagegen oft durch den Rost.”
Da fällt jemand dreimal durchs Physikum (erster Abschnitt der ärztlichen Prüfung) und da ist dann der Medizinerweg eigentlich zuende. Aber trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb (weil sie in Zusammenhängen denkt) war ist diese Frau wohl eine sehr gute Ärztin, wenn man dem Artikel in der SPON und den Kollegen und Vorgesetzten glauben darf. Das Physikum sollte man vielleicht mal überarbeiten.
Etwas ähliches kenne ich aus meiner eigenen Ausbildung als Schlosser. In den Zwischenprüfungen und auch bei der abschließenden Gesellenprüfung muß man den ganzen lieben langen Prüfungstag feilen. Da bekommt man dann irgendwelche Metallteile und eine Zeichnung in die Hand gedrückt und muß mit großen, kleinen, dicken, dünnen, groben und feinen Feilen, möglichst auf den zehntel Millimeter genau, irgendetwas feilen. Und wenn man das gut kann dann besteht man die Prüfung und nach der Abschußprüfung ist man dann Geselle. Toll! Diese Prüfungen sind für’n Arsch – denn, kein Betrieb läßt Werkstücke mit einer Handfeile herstellen, das dauert viel zu lange und ist auch viel zu ungenau. Da hat dann jemand seinen Gesellenbrief, weil er gut mit der Handfeile umgehen kann, aber sonst kann er vielleicht nicht einmal die Abwicklung eines gebogenen Blechteils berechnen.
zurück zu der Ärztin; sehr traurig die Geschichte, da ist eine gute Ärztin, die keinen Pfusch gebaut hat, die keinen Patienten verstümmelte oder gar zu Tode brachte, aber trotzdem darf sie nicht praktizieren – ihr fehlt das entsprechende Stück Papier.
Praxis, liebe Leute, Praxis – auch oder besser, gerade in den Prüfungen. Praxisnahe Prüfungen brauchen wir und nicht irgendwelche Vorschriften aus dem vorletzten Jahrhundert.
Ich hoffe der Aderlass wird nicht mehr abgefragt…
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