Beiträge vom 2. Dezember 2007

Neiddebatte?!

Sonntag, 2. Dezember 2007, 19:05 Uhr | Autor:

“Manager rechtfertigen Millionen-Gehälter” (FTD)

“Telekom-Chef René Obermann sagte der “Bild am Sonntag”: “Ich finde, die Vorstandsgehälter der Telekom bewegen sich im Rahmen, wenn man bedenkt, dass damit eine 90-Stunden-Woche und eine große Verantwortung für die vielen Mitarbeiter und Aktionäre verbunden ist. Für unanständig halte ich sie nicht.” Obermann erhielt dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr 2,6 Mio. Euro.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff wandte sich gegen pauschale Kritik an Managern. “Top-Manager, die gute Arbeit leisten, sollen angemessen viel verdienen. Die oberen zehn Prozent Steuerzahler zahlen heute schon mehr als 50 Prozent des gesamten Steueraufkommens”, erklärte er. Eine Neiddebatte sei falsch.”

Betrachten wir dies mal vor dem Hintergrund der Debatte über den Mindestlohn.

Rechnen wir mal mit der “gefühlten” 90-Stunden-Woche vom Obermann, ohne Urlaub, Feiertage, etc.:

2,6 Mio. Euro/Jahr : 12 Monate : 4,3 Wochen/Monat : 90 Stunden/Woche

559,86 Euro/Stunde

Und was erwartet der Wulff? Mitleid? Och die armen 10 Prozent, die müssen 50 Prozent der Steuern bezahlen?!

Gehirn einschalten: Das was der Wulff da sagt bedeutet, das 90 Prozent der Steuerzahler zusammen genauso viel Steuern zahlen wie die 10 Prozent extremst Besserverdiener. Also bekommen viele der 90 Prozent sehr wenig Geld für ihre Arbeit.

“Sind die Manager-Gehälter wirklich zu hoch?” (WELT)

“Der Porsche-Vorstand streicht mehr als 112 Millionen Euro ein. Vorstandschef Wendelin Wiedeking verdient nach Angaben aus Unternehmenskreisen mindestens die Hälfte davon, also rund 60 Millionen Euro.”

60 Mio. Euro/Jahr : 12 Monate : 4,3 Wochen/Monat : 90 Stunden/Woche

12.919,90 Euro/Stunde

Diese “gefühlten” 90 Stunden mal auf die Friseurin von gestern umgerechnet:

90 Stunden * 3,06 Euro/Stunde * 4,3 Wochen/Monat * 12 Monate

14.210,64 Euro/Jahr

Die Friseurin verdient aber nur 491 Euro/Monat, also 5.892 Euro/Jahr, weil 15 Stunden täglich Haare schneiden, an 6 Tagen der Woche, kann niemand, auch der Obermann nicht.

Es geht nicht um Neid, nur um Gerechtigkeit.

Meinetwegen können gute Manager 100 Mio. Euro pro Jahr verdienen, das ist mir schnuppe. Aber gleichzeitig muß sich Arbeit auch für den Arbeiter am Band oder die Reinigungskraft lohnen. Es kann nicht sein das Konzerne sich selber die Taschen vollstopfen, schlechte Managern Millionenbeträge zahlen, unterm Strich keine oder kaum Steuern zahlen und gleichzeitig vom Staat z.B. den Kombilohn fordern und bitte keinen Mindestlohn.

Als Firmeninhaber wäre es mir höchst peinlich, wenn meine Mitarbeiter zusätzlich vom Staat Geld bekommen müssen, um zu überleben.

Auch interessant in diesem Zusammenhang der Artikel in der Wirtschafts Woche:

“Köhler entfacht Diskussion um Managergehälter neu”

“Während die Einnahmen von Vermögenden und Unternehmen steigen, ist der Anteil der Löhne am Gesamteinkommen aller BundesBürger weiter zurückgegangen.”

Thema: Politik, so Leute, Wirtschaft | Kommentare geschlossen